Die Werbekampagne der Luxusuhrenmarke Patek Philippe mag ich sehr gern. Seit Jahrzehnten zeigt sie Väter und Söhne, gelegentlich auch Mütter und Töchter, glücklich aller materiellen Sorgen enthoben und doch irgendwie bedrückt ob der eigenen Endlichkeit. "Eine Patek Philippe gehört einem nie ganz allein", heißt es dazu. "Man erfreut sich ein Leben lang an ihr, aber eigentlich bewahrt man sie schon für die nächste Generation."

Welch wundervoller Satz. Ein Statement gegen die Wegwerfgesellschaft. Als Familienerbstück ist ein Zeitmesser ja auch ein überaus taugliches Objekt, besser als beispielsweise ein Smartphone. Trotzdem bin ich unsicher, wie weit das Konzept trägt. Meine Zweifel kamen, als ich das Werbemotiv neulich in der Drei-Generationen-Version sah: Opa und Papa, jeweils mit Uhr, zwischen ihnen der jüngste Sohn der Familie.

Spielen wir die Sache mit dem Bewahren mal konsequent durch, wird Opas Uhr irgendwann zu Papas Uhr. Der hat dann zwei Uhren – und ein Problem: Ist das Weitertragen der eigenen Uhr ein Affront gegenüber der älteren Generation? Natürlich könnte Papa seine eigene Uhr weiterreichen, aber auf mich wirkt Sohnemann noch lange nicht reif genug, um die Verantwortung für das 30. 000 Euro teure Ding zu übernehmen. Und selbst wenn: Dank der vielen von seinen Ahnen aufbewahrten Uhren wird er sich nie selbst eine kaufen müssen. Was wiederum die Wachstumschancen von Patek Philippe begrenzt.

Die Geburtenrate beträgt hierzulande 1,5 Kinder pro Frau. Patek Philippe gehen also früher oder später die Kunden aus. Es sei denn, der Wohlstand im Land verteilte sich künftig breiter und Kinderreichtum wäre kein großes Armutsrisiko. Dann gäbe es wohl mehr Kinder und mehr mögliche Uhren-Erben. Das wäre schön. Ist aber ziemlich unwahrscheinlich.