Seit 1980 wird in der Bundesrepublik im Frühling die Uhr um eine Stunde vorgestellt, das Für und Wider wird jedes Jahr aufs Neue diskutiert (ZEIT Nr. 12/17). Aber die Erfindung der Sommerzeit liegt viel länger zurück. Schon während des Ersten und Zweiten Weltkriegs versuchten die Regierungen, das Sonnenlicht in den Sommermonaten besser auszunutzen, um Energie zu sparen. In der Nachkriegszeit gab es ein paar Jahre lang ein ziemliches Durcheinander, und tatsächlich herrschte gleich zweimal eine "doppelte Sommerzeit".

Als Nazi-Deutschland am 8. Mai 1945 kapitulierte, waren die Uhren bereits auf Sommerzeit umgestellt. In der sowjetischen Besatzungszone wurden am 24. Mai die Uhren noch eine weitere Stunde vorgedreht – das entsprach der Moskauer Zeit. Weil die Uhren im Westen früher wieder zurückgestellt wurden, gab es eine Woche lang einen Unterschied von zwei Stunden zwischen den beiden Teilen Deutschlands.

Im Jahr 1947 wurde dann überall im geteilten Land mit dem doppelten Zeitsprung experimentiert: Im April begann die gewöhnliche Mitteleuropäische Sommerzeit (MESZ), im Mai sprang man eine weitere Stunde auf die Mitteleuropäische Hochsommerzeit (MEHSZ), im Juni und Oktober jeweils wieder eine Stunde zurück. Wahrscheinlich hatten die Menschen zu viele andere Sorgen, um sich über diese Springprozession aufzuregen. Es blieb ein einmaliges Experiment – in den Sommern 1948 und 1949 gab es noch einmal die gewöhnliche Sommerzeit, dann war erst einmal Schluss mit der Zeitumstellung, bis 1980.

Die Adressen für "Stimmt’s"-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg oder stimmts@zeit.de

Das "Stimmt’s?"-Archiv: www.zeit.de/stimmts

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio.