Es ist eines der drängendsten und zugleich schwierigsten Probleme der Flüchtlingspolitik: Schnell und konsequent zwischen schutzbedürftigen Flüchtlingen und Migranten zu unterscheiden – und abgelehnte Asylbewerber weit zügiger als bisher in ihre Heimat zurückzubringen.

Soeben hat Horst Seehofer, Chef des neu gegründeten Superministeriums für Inneres, Bau und Heimat, dafür einen "Masterplan" in Aussicht gestellt. Bis zum Sommer will er bereits einen kabinettsreifen Entwurf vorlegen. Mancher Abgeordnete lächelt da ein wenig ungläubig.

Doch Seehofer muss nicht bei null beginnen. Der selbst ernannte "Erfahrungsjurist" ohne besondere Fachkenntnisse in Sachen Asyl und Abschiebung kann sich in seiner Behörde auf ein Heer von Experten stützten. Allein in der entscheidenden Abteilung M, zuständig für Migration, Flüchtlinge und Rückkehrpolitik, wirken 70 bis 80 Fachleute. Vor allem aber: Führende Köpfe dort haben bereits einige detaillierte Vorschläge ausgearbeitet, die sie ihrem Minister, wenn er sich in dieser Woche erstmals mit ihnen trifft, vorlegen wollen. Da Seehofer zur Eile drängt, wird sich manches davon bald in seinem Masterplan wiederfinden.

Am wichtigsten sind für die Beamten sogenannte Ankerzentren. In ihnen sollen alle Asylbewerber zentral untergebracht werden und so lange ausharren, bis festgestellt werden kann, wer bleiben darf und wer wieder fortmuss. Von der Registrierung, der Identifizierung und Altersfeststellung eines Flüchtlings über die Asylanhörung und ein mögliches Gerichtsverfahren bis zur Verteilung anerkannter Flüchtlinge und Rückführung abgelehnter Asylbewerber – all das soll in und um diese Ankerzentren herum erledigt werden.

Flüchtlingsorganisationen halten solche Einrichtungen für Wahnsinn: Sie würden schnell ein Herd der Gewalt, das hätten die Erfahrungen mit Massenunterkünften in den vergangenen zwei Jahren immer wieder gezeigt. Doch im Innenministerium erhofft man sich hier eine schnelle, konzentrierte Erledigung der Asylbegehren und natürlich auch eine gewisse abschreckende Wirkung auf Migranten. Vorrangiges Ziel müsse es sein, so ein Ministeriumsbeamter, "die Verfestigung des Aufenthalts bei jenen zu verkürzen, die keinen Schutzanspruch haben. Wir brauchen eine radikalere Trennung zwischen Flüchtlingen und Migranten."

So denkt auch Horst Seehofer. Wie für einen Teil seiner neuen Mitarbeiter ist auch für ihn die rasche Rückführung abgelehnter Asylbewerber der Schlüssel einer effektiveren Flüchtlingspolitik. Die zügige Abschiebung hat er zum obersten Ziel erklärt. Auch dafür kursieren im Ministerium bereits ausgefeilte Vorschläge.

230.000 Menschen sind derzeit zur Ausreise verpflichtet, doch oft scheitert sie aus humanitären Gründen. Weil etwa die Reise in die Heimat zu gefährlich ist, weil die Personen krank sind oder gerade in einer Ausbildung stecken. Doch die allermeisten Menschen, insgesamt knapp 65.000, können nicht abgeschoben werden, weil sie keine Reisedokumente besitzen und ihre Herkunftsländer die Ausstellung von Ersatzpapieren verweigern oder in die Länge ziehen.