Petra Tallafuss-Koch, 40, und ihr Mann Lars Koch, 44, lernen sich auf einer Tagung zum Thema "Totalitarismus und Literatur" kennen. Der Germanist und Medienwissenschaftler versuchte, sie mit seinen neuesten, popkulturellen Erkenntnissen zu beeindrucken. "Er redete beim Abendessen über seine Forschung zu Zombies als Allegorien des Neoliberalismus", erzählt Tallafuss-Koch, "das hat mich anfangs eher abgeschreckt." Der vermeintliche Nerd gefällt ihr trotzdem, sechs Jahre später heiraten sie. Inzwischen schauen sie auch mal gemeinsam Zombie-Serien und arbeiten beide, er als Professor und sie im Wissenschaftsmanagement, an derselben Universität – für Wissenschaftspaare noch immer eine absolute Ausnahme.

DIE ZEIT: Frau Tallafuss-Koch, Herr Koch, sie sind ein sogenanntes Dual-Career-Paar. Ihre zweifache Karriere wurde seit dem Ruf von Herrn Koch an die TU Dresden seitens der Universität gezielt gefördert. Sie sind das erste Mal an derselben Universität angestellt. Inwiefern profitieren sie davon?

Lars Koch: Es ist eine absolute Win-win-Situation.

Petra Tallafuss-Koch: Wir profitieren sehr davon, die Uni aber ebenso. Allein schon weil keiner von uns Pendeln muss.

DIE ZEIT: Was für einen Unterschied macht das?

Koch: Es gehört ja meist zu einer akademischen Karriere, dass man viel unterwegs ist. Bis zu meinem Ruf vor vier Jahren bin ich von Berlin, wo Petra an der Freien Universität war, nach Siegen, Hagen und auch Konstanz gependelt. Da saß ich gut zwölf Stunden pro Woche im Zug oder Flieger. In dem Moment, wo das vorbei ist, merkt man, wie viel Energie es gekostet hat.

Tallafuss-Koch: Wie die meisten Wissenschaftspaare waren wir nie in der gleichen Stadt beschäftigt. Auch ich bin eine Weile gependelt. In der gewonnenen Zeit können wir uns um inhaltlich anspruchsvolle Dinge kümmern, die man nicht nebenbei im Zug erledigen kann. Das Familienleben gewinnt natürlich auch, aber einen großen Teil verwenden wir auf die Arbeit. Lars beispielsweise bleibt mehr Zeit, um ein größeres Buchprojekt zur Literaturgeschichte der Angst abzuschließen.

Koch: Man identifiziert sich intensiver mit dem, was man tut, und, wenn es gut läuft, auch mit der Institution. Das ist nicht zu unterschätzen. Man investiert mehr.

DIE ZEIT: Sie arbeiten nun lieber?

Tallafuss-Koch: Arbeit war für uns nie Dienst nach Vorschrift. Trotzdem ist es anders, wenn man immer vor Ort ist. Wir entwickeln freundschaftliche Beziehungen zu Kollegen, sind mehr eingebunden und fühlen uns somit verantwortlicher.

DIE ZEIT: Verbringen Sie viel gemeinsame Zeit auf dem Campus?

Tallafuss-Koch: Wir haben im Alltag an der Uni kaum Berührungspunkte. Natürlich ist es bereichernd, wenn man sich gegenseitig austauscht.

DIE ZEIT: Sie sind Referentin für Strategieentwicklung im Uni-Management, Ihr Mann ist Professor für Medienwissenschaft und Neuere deutsche Literatur. Wo sind da Ihre Schnittmengen?

Keine Zeit, um gemeinsam in die Mensa zu gehen

Koch: Ich verstehe durch Petra viel besser, wie Wissenschaftspolitik funktioniert. Meine Froschperspektive wird durch Gespräche mit ihr zur Makroperspektive, und so erlebe ich das, was aus der Verwaltung als Impuls an uns Wissenschaftler gegeben wird, ganz anders.

Tallafuss-Koch: Ich bekomme von ihm wichtiges Feedback für Dinge, die vielleicht wohlwollend gestartet wurden, aber nicht gut ankommen. Natürlich bin ich vernetzt, aber die ehrlichste Auskunft gibt mir dann eben doch Lars.

DIE ZEIT: Haben Sie da ein konkretes Beispiel?

Tallafuss-Koch: Etwa wenn es um die Konzeption neuer Arbeitsformate wie ein neues interdisziplinäres Lehrformat geht, das wir an der TU seit zweieinhalb Jahren erproben. Da ist es ganz wichtig, nicht über die Köpfe der Lehrenden hinweg Dinge vorzugeben, sondern eine gemeinsame Vorstellung zu entwickeln. Dabei ist der "kurze Draht" zur praktischen Seite sehr hilfreich.

DIE ZEIT: Gehen Sie gemeinsam in die Mensa?

Tallafuss-Koch: Nein, es ergibt sich meist nicht.

Koch: Nur dann, wenn ich in Rektoratsnähe unterwegs bin. Meistens ist der Arbeitstag dafür einfach zu vollgestopft.

Tallafuss-Koch: Das ist aber gut so für die Eigenständigkeit. Wir werden selten als Paar wahrgenommen. Manchmal erzählt mir jemand von Herrn Koch. Sobald ich dann signalisiere, ja, den kenne ich sogar sehr gut, ist das immer eine Überraschung.

Koch: Nichts wäre für uns schlimmer, als Büro an Büro zu sitzen oder als Dual-Career-Paar gemeinsam am Institut zu agieren. Das führt zum Wärmetod. Wir tauschen uns nicht hauptsächlich an der Uni über die Arbeit aus, das geschieht davor oder danach. Vor allem beim Autofahren.

DIE ZEIT: Sie meinen auf der Fahrt ins Büro?