Nichts ist schlimmer, als wenn andere einen erbarmungslos zutexten. Bekannte, Unbekannte, Sitznachbarn im Bus. Sie reden und reden ohne Ende, und es interessiert niemanden, aber man kommt nicht weg. Gibt nichts Schlimmeres. Dachte ich.

Gibt’s aber. Wenn einen Gegenstände zutexten. Auch Dinge berichten ungefragt von ihren Träumen, ihrer Einzigartigkeit, ihren Gefühlen. Als ob das irgendjemand wissen wollte. Erst neulich wieder, die Papiertragetasche von Edeka. Ich lege sie aufs Kassenband, um meine Einkäufe zu verstauen. Da sehe ich den blauen Aufdruck. "Ich bin eine tragbare Papiertasche mit vielen Talenten", begrüßt sie mich. Zum Glück hat sie keinen Sprach-Chip, aber das kommt sicher noch. "Meine wichtigste Aufgabe besteht darin, Ihnen den täglichen Einkauf zu erleichtern." Sach bloß! Vier Absätze lang belehrt sie mich über ihr Selbstverständnis als Tüte. Ich lese mir das tatsächlich bis zum letzten Satz durch. Es wäre unhöflich, andere nicht ausreden zu lassen.

Ich denke, also bin ich. Kann umgekehrt eine Tüte, die "ich bin" sagt, auch denken? Und wenn ja, was denkt sie sich eigentlich? Warum müssen so viele Dinge überhaupt so tun, als hätten sie ein Ich? Ein Bewusstsein, ein gestörtes womöglich? In manchen Gärten von ländlich gelegenen Einfamilienhäusern stehen große metallblasenartige Heizöltanks mit der Aufschrift "Ich bin zwei Tanks", dem Slogan des Unternehmens. Ja, was denn nun? Ich bin, oder wir sind?

"Ich freue mich schon auf die nette Zusammenarbeit", schleimt sich meine Papiertüte bei mir ein, arbeitet dann aber doch nicht mit. Sie liegt nur rum. "Sollte ich eines Tages Ihren Einkauf doch nicht mehr tragen können, zeige ich Ihnen gerne, was ich sonst noch draufhabe", verrät sie. Ich will gar nicht wissen, was meine Tüte sonst noch so draufhat. Ich will nur nach Hause und nicht länger zugetextet werden.