© Klett-Cotta

1 (10) Wolfram Eilenberger: Zeit der Zauberer
Das große Jahrzehnt der Philosophie 1919–1929; Klett-Cotta; 400 S., 25,– €

Die Jahre zwischen 1919 und 1929 markieren eine Epoche unvergleichlicher geistiger Kreativität, in der Gedanken zum ersten Mal gedacht wurden, die bis in die Gegenwart hineinreichen. Ludwig Wittgenstein, Walter Benjamin, Ernst Cassirer und Martin Heidegger prägten diese Epoche. Der Autor Wolfram Eilenberger lässt sie wiederauferstehen. 93 Punkte


© Siedler

2 (-) Stephen Greenblatt: Die Geschichte von Adam und Eva
A. d. Engl. v. K. Binder; Siedler; 448 S., 28,– €

Warum fasziniert uns die Geschichte von Adam und Eva noch heute? Wie hat sie unsere Vorstellungen vom Paradies, von Scham und Sünde, Gut und Böse, Mann und Frau geprägt? Pulitzer-Preisträger Stephen Greenblatt widmet sich jenem Menschheitsmythos, der unsere abendländische Kultur beeinflusst hat wie keine zweite Erzählung. Es geht um nicht weniger als die Frage, was es heißt, ein Mensch zu sein. 65 Punkte


© S. Fischer

3 (-) Mary Beard: Frauen und Macht
A. d. Engl. v. Ursula Blank- Sangmeister; S. Fischer; 112 S., 12,– €

Die Historikerin und Intellektuelle Mary Beard ist bekannt dafür, sich leidenschaftlich, streitbar und humorvoll in aktuelle Gesellschaftsdebatten einzumischen. Jetzt hat sie ein Manifest geschrieben: über Feminismus, Gleichberechtigung und #MeToo. Das Buch ist ein fulminanter Aufruf an alle Frauen, den Moment zu nutzen, um das Patriarchat zu stürzen und endlich die Macht an sich zu reißen. 62 Punkte


© Rowohlt

4 (1) Helmut Lethen: Die Staatsräte
Elite im Dritten Reich: Gründgens, Furtwängler, Sauerbruch, Schmitt; Rowohlt Berlin; 352 S., 24,– €

Der Dirigent Wilhelm Furtwängler, der Jurist Carl Schmitt, der Schauspieler Gustaf Gründgens und der Chirurg Ferdinand Sauerbruch: Sie alle waren Kollaborateure im NS-Staat. Helmut Lethen zeichnet ein faszinierendes Gruppenporträt mit fiktiven Gesprächen zwischen diesen vier. Er erzählt von Verführbarkeit und Unterdrückung, Opportunismus und Auflehnung. 61 Punkte


© Matthes & Seitz

5 (-) Anna Lowenhaupt-Tsing: Der Pilz am Ende der Welt
A. d. Engl. v. Dirk Höfer, Matthes & Seitz; 448 S., 28,– €

Das erste neue Leben, das sich nach der nuklearen Katastrophe in Hiroshima wieder regte, war ein Pilz. Ein Matsutake, der auf den Trümmern der Stadt wuchs. In ihrem faszinierenden Essay geht die Anthropologin Anna Lowenhaupt-Tsing den Spuren dieses Pilzes sowie seiner biologischen und kulturellen Verbreitung nach und begibt sich auf die Suche nach dem Leben in einer Welt, die vom Menschen zerstört wurde. 51 Punkte


© Droemer HC

5 (-) Yascha Mounk: Der Zerfall der Demokratie
A. d. Engl. v. B. Jendricke; Droemer; 352 S., 22,99 €

Die Demokratie droht zu scheitern: Rechtspopulistische Parteien untergraben stabile Regierungen und sorgen für politisches Chaos. Der Harvard-Politologe Yascha Mounk erklärt, warum unsere westlichen Werte in Gefahr sind zu verschwinden. Klar und deutlich zeigt er die komplexen Mechanismen der Zerstörung von Rechtsstaatlichkeit auf – und benennt Maßnahmen zu deren Rettung. 51 Punkte


© Matthes & Seitz

7 (-) Bénédicte Savoy: Die Provenienz der Kultur
a. d. Franz. v. H. Zischler, P. Sissis; Matthes & Seitz; 80 S., 10,– €

Die Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy plädiert im Umgang mit Kunst für eine radikal neue Perspektive, die von den Objekten und ihrer individuellen Biografie ausgeht. Nicht nur die Herkunft von Kunst soll transparent gemacht werden, fordert Savoy, sondern auch deren Kolonial- und Gewaltgeschichte. Ein Buch gegen die Angst vor Restitutionen – und für die Idee eines gemeinsamen Weltkulturerbes. 41 Punkte


© Mare

8 (8) Jonathan Balcombe: Was Fische wissen
Wie sie lieben, spielen, planen; a. d. Engl. v. T. Rothenbücher; mare; 352 S., 28,– €

Der Fisch: ein unterschätztes Wesen. Angler, Köche und Aquarienbesitzer interessieren sich für ihn, aber unser Herz rührt er kaum. Dabei sind Fische uns Menschen nicht unähnlich – sie sind strategisch und sozial, pflegen Balzrituale und lange Beziehungen. Der Verhaltensbiologe Jonathan Balcombe bricht eine Lanze für die Fische. Und überrascht mit Erkenntnissen, die weit über den Aquarienrand hinausgehen. 33 Punkte


© Rowohlt

9 (7) Martin Mosebach: Die 21
Eine Reise ins Land der koptischen Martyrer; Rowohlt; 272 S., 20,– €

Im Frühjahr 2017 reist Martin Mosebach nach Ägypten. Er besucht im Dorf El-Or die Familien der 21 koptischen Männer, die zwei Jahre zuvor an einem libyschen Strand von IS-Terroristen ermordet wurden. Das Buch zur Reise reflektiert Mosebachs Begegnungen mit einer fremden Gesellschaft und einer Kirche, die sich den Glauben und die Liturgie der frühen Christenheit bewahrt hat. 31 Punkte


© Piper

9 (-) Johann Scheerer: Wir sind dann wohl die Angehörigen 
Die Geschichte einer Entführung; Piper; 240 S., 20,– €

Johann Scheerer erzählt von den 33 Tagen um Ostern 1996, als sich sein Vater Jan Philipp Reemtsma in den Händen von Entführern befand. Das Zuhause des Sohnes wurde zur polizeilichen Einsatzzentrale, während kaum Hoffnung bestand, dass der Vater lebend gerettet werden könne. Scheerers Buch ist so klug und berührend, weil es sich jeden sentimentalen Annäherungsversuch versagt. 31 Punkte


Jedes Jury-Mitglied der Sachbuch-Bestenliste vergibt monatlich an vier Sachbücher je einmal 15, 10, 6 und 3 Punkte.