Fieber ist keine Krankheit, sondern ein Symptom. Und das Senken des Fiebers mittels Medikamenten heilt den Patienten daher auch nicht. Im Gegenteil, es kann die Genesung sogar herauszögern. Denn tatsächlich hat das Fieber einen Sinn, das sagen nicht nur die Anhänger alternativer Heilmethoden. Auch die "Schulmediziner" raten zunehmend davon ab, bei erhöhter Temperatur immer gleich zum Medikamentenschrank zu laufen und etwas einzunehmen.

Sicherlich ist Fieber eine unangenehme Begleiterscheinung vieler Infektionen. Die Hitzewallungen machen den Kranken schlapp, seine Glieder schmerzen, er zittert unter dem Schüttelfrost. Da liegt der Griff zu Ibuprofen oder anderen frei verkäuflichen Fiebersenkern nahe. Man fühlt sich gleich viel besser. (Manche fühlen sich gar so viel besser, dass sie ins Büro gehen und die Kollegen anstecken.)

Doch unser Körper fiebert, weil er die Abwehr gegen einen Erreger mobilisiert. Er produziert mehr Abwehrzellen, um den Eindringling zu bekämpfen. Unterdrückt man diesen Mechanismus, dann kann es tatsächlich länger dauern, bis man wieder gesund wird, diese Erkenntnis haben Tierversuche erbracht.

Ärzteverbände wie die American Academy of Pediatrics raten heute zu einem gelasseneren Umgang mit dem Fieber: Man sollte nicht gleich reflexhaft Medikamente verabreichen, sondern der Sache erst einmal ihren Lauf lassen. Wenn die Temperatur aber über 40 Grad Celsius steigt und das Wohlbefinden des Patienten stark gestört ist, kann ein fiebersenkendes Mittel Linderung verschaffen – vor allem aber sollte man dann unbedingt die Ursache des Fiebers von einem Arzt diagnostizieren lassen.

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