Es war eine Filmszene, die Patrick Patten nach Afrika verschlug: Eine Cola-Flasche fällt vom Himmel und landet im Sand der Kalahari. Und dann verändert sich alles. Bei dem afrikanischen Stamm, der die Flasche im Film Die Götter müssen verrückt sein für ein spirituelles Zeichen hält. Und bei Patrick Patten, der sein Leben infrage stellt. Der Amerikaner hat den westlichen Lebensstil schon lange satt: das Konsumverhalten. Die Oberflächlichkeit. Die Cola-Flaschen.

Patten will weg, weit weg. Er reist umher und bleibt am Ende im 100-Seelen-Dorf Olkokola im Norden von Tansania hängen.

Hier hat Pat, wie ihn die Dorfbewohner nennen, seine Berufung gefunden. Im Sommer 1983 gründete er seine Hilfsorganisation, den Flying Medical Service. Pat versorgt abgelegene tansanische Dörfer mit Medikamenten. Er startete mit einer alten Cessna 206. Inzwischen hat er zwei Maschinen, fünf freiwillige Mitarbeiter mit Fluglizenz und ein Team von angelernten Helfern aus dem Dorf. Zweimal im Monat landen die Piloten in entlegenen Dörfern, um dort Patienten zu versorgen.

Ohne die Unterstützung des Westens bräche die Gesundheitsversorgung in Ostafrika zusammen. Von den knapp 300 Krankenhäusern in Tansania ist nicht einmal die Hälfte in staatlicher Hand. Neben privaten und religiösen Trägern sind es vor allem internationale Nichtregierungsorganisationen oder spendenfinanzierte Hilfsmissionen aus dem Ausland, die Krankenhäuser oder Gesundheitsstationen betreiben – solche wie die von Patten.

Tansania steht weit abgeschlagen auf Rang 151 des Human Development Index der Vereinten Nationen. Noch vor 20 Jahren starben viele Kinder an Infektionskrankheiten wie Masern oder Keuchhusten. Mittlerweile ist die Sterblichkeit der Kinder unter fünf Jahren um zwei Drittel zurückgegangen. Es ist auch die Arbeit von Pat und seinen Piloten, die hinter dieser Erfolgsstatistik steht.

"Wenn wir zur Landung ansetzen, erwarten uns die Menschen schon. Mütter kommen auf uns zugelaufen, ihre Kinder im Schlepptau", erzählt Pilot Mike. Die Hebamme im Team berichtet von einer spontanen Hausgeburt. Patrick Patten fängt an zu grinsen. "Wir haben hier schon einige Mikes und Pats unter den Kindern." Namen als Gesten der Dankbarkeit.

Patten ist optimistisch. Die Gesundheitsversorgung in Tansania werde stetig besser. Obwohl Kranke vielerorts immer noch lange Wege in Kauf nehmen müssen. Obwohl Klinikpatienten Infusionsbesteck, sterile Handschuhe oder Desinfektionsmittel oft selbst mitbringen müssen. Obwohl manche Kliniken nicht einmal genügend Strom für Beleuchtung haben.

Von Hightech-Medizin ist das tansanische Gesundheitssystem weit entfernt. Auch wenn sich der Staat 2001 gemeinsam mit anderen afrikanischen Ländern dazu verpflichtet hatte, mindestens 15 Prozent des Haushaltsbudgets für Gesundheit auszugeben, sind es bis heute nur elf Prozent.

Es sind die einfachen Mittel, die viele Menschenleben retten. Impfprogramme, Antibiotika, Wundversorgung. Doch die Erfolgsgeschichte hat in den Augen von Patrick Patten auch eine Schattenseite. "Es sterben kaum noch Kinder an Krankheiten, eigentlich könnten wir zufrieden sein. Aber weil die Menschen nicht weniger Kinder kriegen und die Bevölkerung unaufhörlich weiterwächst, entstehen ganz andere Probleme."