Der Mann hat alles richtig gemacht, das kann man inzwischen wohl sagen. Christian Bork hat erreicht, wovon viele Hamburger träumen, er wohnt in den eigenen vier Wänden. Und er hat sein Haus selbst gebaut.

Zur Nachahmung ist das Beispiel trotzdem nicht empfohlen, nicht jedem jedenfalls. Wer sich Bork zum Vorbild nehmen wollte, der sollte zum Beispiel mauern können. Er sollte in der Lage sein, einen kleinen Bagger zu bedienen. Er sollte von der Arbeit eines Zimmermanns genug verstehen, um den eigenen Dachstuhl bauen zu können. Und das ist womöglich nicht einmal das Wichtigste.

Wer Hamburg verlässt, egal in welche Richtung, der durchquert auf dem Weg zum Stadtrand eine kilometerbreite Zone von Einzelhäusern, wie Christian Bork für sich und seine Familie vor nunmehr fast zwanzig Jahren eins gebaut hat. 187 893 Wohnungen in Ein- und Zweifamilienhäusern zählte das statistische Landesamt zuletzt, zusammen sind sie ein Fünftel von Hamburg. Natürlich befinden sich darunter Häuser, mit deren Bau die späteren Bewohner nichts zu tun hatten. Viele dieser Eigenheime existieren aber nur, weil sich vor etlichen Jahren einmal jemand den Traum von den eigenen vier Wänden erfüllt hat, indem er selbst Hand anlegte.

Das eigene Haus bauen, eines der letzten großen Abenteuer. Vorbei. "Das ist in Hamburg ausgestorben", sagt Bork.

Christian Bork ist gelernter Maurer und inzwischen Polier. Er arbeitet für Otto Wulff, eines der größten Bauunternehmen der Stadt, und weiß daher, wie und was in Hamburg heute gebaut wird. Mit seinem Eigenheim ist er typisch für seine Branche. Allein bei Otto Wulff, schätzt Bork, hätten es mindestens fünfzig Kollegen gemacht wie er. Für Bauarbeiter ist das selbst gebaute Haus eine kostengünstige Art zu wohnen und zugleich ein Teil der Altersvorsorge.

Natürlich hat Bork nicht in Hamburg gebaut. Wer auf dem Bau arbeitet, der wohnt in der Regel weit draußen. Bork lebt in einem Dorf namens Puls, 15 Kilometer nördlich von Itzehoe, gut 80 Kilometer von Hamburg entfernt. Er ist im Nachbardorf aufgewachsen, sein Vater war Maurer. Für ihn selbst, sagt er, sei nie ein anderer Beruf infrage gekommen. Das eigene Haus ist für Christian Bork eine Art Grundbedürfnis. "Ich will mein eigenes Reich haben", sagt er. "Ich will mich morgens mit einem Kaffee aufs Grundstück setzen und nicht einen Nachbarn vor mir haben."

Am Anfang stand eine Tabelle: Termine, Materialien, Kosten

Das ist aber nicht alles. Wer zeitlebens für andere baut, der will wenigstens einmal etwas für sich selbst schaffen. Irgendwann das eigene Haus bauen, ist das für einen Bauarbeiter Ehrensache? "Irgendwie schon", findet Bork.

So sind die Profis des Baugewerbes zugleich die letzten Vertreter einer zunehmend seltenen Spezies: der Häuslebauer, die nicht nur ihre Ersparnisse, sondern auch Feierabende, Wochenenden und Urlaub in die vier eigenen Wände investieren. Nun werden auch heute noch in Hamburg hier und da Einzelhäuser für wohlhabende Bauherren errichtet. "Wir kaufen Ihr Grundstück. Auch mit Altbestand ..." – solche Schilder stellen Immobilienentwickler heute auf. Makler bieten Häuser mit Garten als Baugrundstücke an, die "Rückbaukosten" für den Altbau sind bereits mit eingerechnet. Aber wer sich solche Grundstücke leisten kann, der wird kaum selbst Kabel verlegen oder gar zur Maurerkelle greifen.

Wie baut der Profi für sich selbst? Borks Haus sieht aus wie tausend andere hier im Norden: Einstöckig, rot verklinkert, mit ausgebautem Dachgeschoss, fügt es sich unauffällig zwischen zwei Backsteinhäuser, die weitaus älter sind. Borks Grundstück war einmal die Hofkoppel des Kleinbauern nebenan. Tausend Quadratmeter, 40.000 Mark hat er dafür bezahlt – dafür bekäme man heute in Hamburg gerade genug Bauland für eine Garage.