JA! sagt Andreas Öhler

Wenn sich zwei nicht leiden können, der eine dem anderen aber plötzlich Geld zustecken will, ist einem das irgendwie verdächtig. Man fragt sich doch gleich: Was führt der Geber da bloß im Schilde? Soll der gute Zweck in Wahrheit etwas Böses bewirken?

So ist das auch mit den Kirchen und der AfD. Alle Welt weiß, dass ihr Verhältnis zerrüttet ist. Auf dem Kölner Parteitag 2017 rief der AfD-Politiker Armin-Paul Hampel sogar ganz offiziell zum Kirchenaustritt auf: "In dem Verein sollte keiner mehr von uns Mitglied sein!" Von mangelnder Rechtstreue etwa bei der Gewährung von Kirchenasyl war die Rede.

Deshalb wunderte man sich, als ein AfD-Abgeordneter im Bundestag, Anton Friesen sein Name, in seinem thüringischen Wahlkreis die Sonneberger Tafel mit einer Spende von 100 Euro bedenken wollte. Sonnebergs Tafel gehört zum Evangelischen Diakoniewerk. Mit dem beriet sich der Tafelchef, ob man das Geld wohl annehmen sollte. Und es fiel die Entscheidung: Nein, wir nehmen es nicht. Mehr noch: Die Diakonie warnte jetzt kirchliche Einrichtungen ganz offiziell vor Spenden der AfD.

Weshalb sich die AfD empörte: Diskriminierung! Das sei wieder mal typisch für eine Kirche, die sich dem linksgrünen Mainstream beuge.

Aber ist ihr diese Entscheidung zu verdenken? Natürlich nicht. Weil hinter der angeblichen Barmherzigkeitsoffensive, der vermeintlich freundlichen Spende der AfD, ein kühles politisches Kalkül steckt. Denn in der Tat kann man sich doch fragen: Wieso hat Anton Friesen diese Spende, wenn sie von Nächstenliebe gespeist ist, nicht als privater Bürger überreicht? Oder anonym in einen Briefumschlag gesteckt? Ging es ihm etwa gar nicht ums Helfen allein? Ging es ihm um PR, um Aufmerksamkeit?

Ja: Diese Spende war ein hinterlistiger Testballon, mit dem die AfD ausloten wollte, ob sie sich noch auf ihr altes Reiz-Reaktions-Schema verlassen kann. Das zumindest hat geklappt: Einen Medien-Aufruhr gab es ja.

Doch das ist allemal erträglicher für die Kirche, als ein vergiftetes Geschenk anzunehmen, das sie längerfristig teuer zu stehen käme. Es geht hier um Haltung. Und um Grundsätzliches.

Nach dem deutschen Spendenrecht darf der Geber die Spende an einen Zweck binden. In welche Schwierigkeiten gerieten die Kirchen, wenn eine AfD-Spende an die Auflage geknüpft würde, nur weiße oder nur biodeutsche Bedürftige zu unterstützen? Das wäre genau das Gegenteil dessen, wofür die Kirche steht: Barmherzigkeit für jeden.

Nichts anderes meint "Almosen": Ein Spender darf von der Kirche nicht mehr erwarten als ein "Vergelt’s Gott" und eine Bescheinigung fürs Finanzamt. Vielleicht erhofft er sich auch einen Platz im Himmelreich. In der Politik aber geht es darum, auf Erden Boden gutzumachen. Stimmen zu gewinnen, nicht das Himmelreich.

Da ist es doch besser, erst einmal kategorisch Spenden von einer Partei abzulehnen, die mit rechtspopulistischen gender-und fremdenfeindlichen Parolen unterwegs ist. Spenden zu sammeln und gleichzeitig den Ausverkauf der Werte zu betreiben, das können sich die Kirchen nicht leisten. Sie ringen sowieso schon um Glaubwürdigkeit. Das ist es, was Christoph Stolte, Leiter der Diakonie Mitteldeutschland, meinte, als er sagte: "Es geht nicht um den Überbringer, sondern um die Absicht."

Und die Absicht der AfD kann durchaus darin liegen, die Spaltung der Kirche zu betreiben. Die ist gepeinigt genug: Es gibt in beiden Konfessionen Christen, die die Position der Kirchen zur Flüchtlingspolitik nicht teilen, die sich vor der Islamisierung der Gesellschaft fürchten, die, ja, AfD wählen. Sie sind von den gegenwärtigen Kirchenoberen entfremdet.

Mit Kalkül legt die AfD hier einen Finger in die Wunde. Natürlich hat die Kirche nicht zu fragen, ob der Küster ein AfD-Anhänger ist, solange er es nicht an die große Glocke hängt. Sie wird auch die Kuchenbäckerin keiner Gewissensprüfung unterziehen, solange sie den Apfelkuchen nicht glasiert mit den Worten "Nur für Einheimische". Was nicht politisch ist, sollte nicht politisiert werden.

Sogar Jörg Meuthen sieht das so, der Bundessprecher der AfD. Auf Armin-Paul Hampels kirchenfeindlichen Satz entgegnete er: "Die Frage der Mitgliedschaft, des Beitritts wie des Austritts ... ist aus meiner Sicht eine rein persönliche und sollte nicht Gegenstand politischer Aufrufe sein."

Für Spenden gilt das aber auch. Sie dürfen nicht politisiert werden. Und niemand muss von denen nehmen, die allzu oft gesagt haben, dass sie einen verachten.