Seine Vorfahren waren Hamburger Kaufleute, einem Knauer wurde in Eppendorf gar ein Denkmal errichtet. Aber Sebastian Knauer wusste schon mit vier Jahren, dass er nicht Kaufmann, sondern Pianist werden wollte. Heute spielt er weltweit Konzerte, mehr als hundert im Jahr. An diesem Abend hat der 46-Jährige frei. Im weißen Hemd, die oberen Knöpfe geöffnet, sitzt er entspannt in einem Sessel im Übersee-Club.

Sebastian Knauer: Ich nutze heute zum ersten Mal diese Räumlichkeiten.

DIE ZEIT: Seit wann sind Sie Mitglied im Übersee-Club?

Knauer: (kramt die Mitgliedskarte aus seinem Portemonnaie) Seit 1. 7. 2013. Ich wurde von einem alten Bekannten gefragt. Er bot sich auch gleich als mein Bürge an, ohne einen solchen kann man kein Mitglied werden. (hebt sein Glas) Zum Wohl. Ich erlaube mir ein Bier, ich greife heute nicht mehr in die Tasten.

ZEIT: Was empfanden Sie bei der Einladung in solch einen traditionsreichen Club?

Knauer: Ich fühlte mich geschmeichelt. Viele der Mitglieder sind eher in der Hamburger Wirtschaft, als Anwälte oder Ärzte tätig oder in der Medienwelt. Musiker sind eine Seltenheit. Man gewinnt hier viele interessante neue Kontakte. Das einzige Problem: Ich bin aufgrund der vielen Konzertreisen eigentlich nie da.

ZEIT: Ist eine Club-Mitgliedschaft ein wichtiges Kapital für einen Pianisten?

Knauer: Es schadet nie, sich in interessanten Kreisen zu bewegen. Bei mir hat es aber auch einen anderen Grund: Ich bin Vollblut-Hamburger. Ich liebe meine Stadt, ich liebe es, viele Menschen aus der Stadt zu kennen. Das hängt mit meiner Herkunft zusammen. Ich komme aus einer uralten Hamburger Familie. Mein Vorfahr Georg Andreas Knauer war ein erfolgreicher Kaufmann, ein wohltätiger Mensch. Er hat eine Stiftung für Bedürftige eingerichtet und eine Trinkbrunnenheilanstalt geführt. Heute gibt es eine Knauer-Straße und ein Denkmal in Eppendorf. Deswegen ist es schön, wenn man seinen Kreis stetig um Menschen erweitert, die in dieser Stadt etwas zu tun, zu sagen, zu entscheiden haben.

ZEIT: Prestige schadet einem Klassik-Musiker sicher nicht, oder?

Knauer: Natürlich nicht. Die Zahl der guten Musiker überschreitet den Bedarf bei Weitem. Da muss man schauen, wie man sich in dieser Branche platzieren kann. Ich habe relativ früh gemerkt, dass Kontaktpflege wichtig ist. Das habe ich in der Schulzeit schon selbst gemacht, bevor ich eine Agentur dafür hatte.

ZEIT: Sie haben so früh Geld mit Musik verdient?

Knauer: Noch viel früher. (lacht) Ich habe schon als Kind an Wettbewerben teilgenommen. Für die ersten Preise, die ich bei "Jugend musiziert" gewonnen habe, gab es kleinere Preisgelder.

ZEIT: Erinnern Sie sich an Ihr erstes Preisgeld?

Knauer: Ich glaube, das waren 100 oder 200 D-Mark – richtig viel für mich damals.

ZEIT: Was haben Sie sich gekauft?

Knauer: Gar nichts. Ich habe alle Preisgelder in meiner Jugend auf ein Sparbuch gelegt.

ZEIT: Wie vernünftig.

Knauer: Ich bin in sehr vernünftigen Verhältnissen aufgewachsen. Es ging uns gut, aber Geld wurde nicht zum Fenster rausgeschmissen.

ZEIT: Sie waren mit 15 Jungstudent an der Musikhochschule. Wie war das für Ihre gleichaltrigen Mitschüler?

Knauer: Zum Glück blieb bei mir alles recht normal. Ich bin zur Schule gegangen, habe mit Freunden gefeiert und nie eine große Geschichte daraus gemacht, dass ich Klavier spiele. Natürlich war es eine Begabung, die mir auch in der Schule durchaus geholfen hat. Wobei ich nicht automatisch gute Noten bekommen habe.

ZEIT: Hatten Sie eine rebellische Phase?

Knauer: Zum Abitur habe ich mir von meinem Ersparten ein viel zu teures Auto gekauft. Einen Golf GTI G60, mit reichlich PS unter der Haube, mit dem Image des Straßenrowdys. Auberginefarben mit breiten Felgen, vorne so tief, dass man fast Bodenberührung hatte. Das war mein kleiner Ausraster, auch in Sachen Finanzen.