Die hessische SPD hält sich die Entscheidung über Koalitionsverhandlungen noch offen. Seine Partei habe den Verlauf der bisherigen Sondierungsgespräche und die Probleme der möglichen Konstellationen diskutiert, sagte der Chef der hessischen Landes-SPD, Thorsten Schäfer-Gümbel, nach einer Sitzung des Landesparteirats in Frankfurt. "Wir haben diese Schwierigkeiten alle dargestellt und haben entschieden, am heutigen Tage nichts abschließend zu entscheiden", sagte Schäfer-Gümbel. Geblieben seien drei mögliche Wege, entweder ein Bündnis aus CDU und SPD, eine rot-rot-grüne Koalition oder der Gang in die Opposition. Die SPD will sich nun erst auf dem Landesparteitag am 30. November festlegen.

Der Verlauf der bisherigen Sondierungsgespräche soll nun in den nächsten Tagen in den 26 Unterbezirken diskutiert und bewertet werden. "Das ist das Ergebnis des Landesparteirats", sagte der Politiker. Die SPD werde sich nicht unter Druck setzen lassen – weder von bundespolitischen Entscheidungen noch von anderen Parteien. "Wir entscheiden über unsere Position aus unserem eigenen Selbstverständnis heraus." Er werde der Partei eine klare Empfehlung geben, sagte der Schäfer-Gümbel. "Spätestens auf dem Parteitag", fügte er hinzu. Konkreter wurde Schäfer-Gümbel nicht. Zuvor war in Wiesbaden die vierte Runde der Sondierungsgespräche zwischen SPD und CDU zu Ende gegangen.

Bei der Landtagswahl im September hatten weder die bisherige Koalition aus CDU und FDP noch das Wunschbündnis aus SPD und Grünen eine Mehrheit erreicht. Die CDU wurde mit 38 Prozent stärkste Partei, die SPD kam auf knapp 31 Prozent. Zusammen verfügen CDU und SPD damit über 84 der 110 Sitze im Wiesbadener Parlament. Eilig ist die Koalitionssuche noch nicht. Die Regierung von Ministerpräsident Volker Bouffier ist noch bis Mitte Januar im Amt.

Neben der großen Koalition sind auch Schwarz-Grün und ein Dreierbündnis aus SPD, Grünen und Linkspartei denkbar – auch diese Konstellationen loten die Parteien aus. Nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung erwog die SPD-Spitze auch eine Minderheitsregierung unter ihrer Führung. Dem erteilte Schäfer-Gümbel jedoch nun eine Absage, da dies die Grünen nicht wollten.

Die CDU will nach einem Bericht des Senders Hit Radio FFH bereits am Freitag über Koalitionsverhandlungen entscheiden. Generalsekretär Peter Beuth sagte nach Angaben des Senders, an diesem Tag werde sich der Landesvorstand treffen und einen Beschluss fassen. Ursprünglich war dieses Treffen erst für das Wochenende geplant. Die Grünen wollen am Wochenende über die Aufnahme von Koalitionsverhandlungen entscheiden. Die CDU hat sowohl mit der SPD als auch mit den Grünen mehrere Sondierungsgespräche geführt.