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Russland: Schröder verteidigt seine Rosneft-Ambitionen

Der frühere Bundeskanzler glaubt nicht, dass er mit einem Posten bei dem Ölkonzern Rosneft der SPD schadet. Er lobt außerdem Christian Lindners Russland-Äußerungen.
Für sein Amt als "unabhängiger Direktor" soll Altbundeskanzler Gerhard Schröder rund 350.000 Dollar Salär erhalten. © Maja Hitij/Getty Images

Der frühere Bundeskanzler Gerhard Schröder sieht den Wahlkampf der SPD nicht durch seine Verhandlungen um einen Posten beim russischen Ölkonzern Rosneft beeinflusst. Er glaube nicht, dass er mit seinem Sitz im Aufsichtsrat seiner Partei schade, sagte er der Schweizer Zeitung Blick. "Ich werde mich zur Wahl stellen, trotz aller Kritik, die ich für falsch halte."

Als "unabhängiger Direktor" soll er dem Staatskonzern dabei helfen, Russlands Energiesektor weiter in die Weltwirtschaft zu integrieren. Zudem habe Rosneft erhebliche Interessen in Deutschland, speziell im Osten. Rosneft-Chef Igor Setschin hatte im Mai angekündigt, in den kommenden fünf Jahren rund 600 Millionen Euro in Deutschland investieren zu wollen, unter anderem in die Modernisierung von Raffinerien. Für sein Amt im Aufsichtsrat soll Schröder rund 298.000 Euro Gehalt bekommen.

Der Altbundeskanzler war für seine Nominierung bei Rosneft von vielen Seiten kritisiert worden. So bezeichnete ihn der Grünen-Europaabgeordnete Reinhard Bütikofer als "bezahlter Diener der Politik Putins". Der ukrainische Botschafter in Berlin, Andrij Melnyk, warf ihm vor, vom Kremlchef instrumentalisiert zu werden. Die Einseitigkeit der Medienberichterstattung habe Schröder nicht erwartet, er geht laut Blick von einer politischen Kampagne zugunsten von Angela Merkel aus. "Man will ihr über die Diffamierung meiner Person helfen."

SPD-Kanzlerkandidat und Parteifreund Martin Schulz hatte gesagt, dass er einen solchen Posten nicht antreten würde. Für ihn sei klar, dass er nach seiner möglichen Zeit als Bundeskanzler keine Jobs in der Privatwirtschaft annehmen werde. Die Entscheidung sei jedoch Schröders Privatsache und habe mit der SPD nichts zu tun.

Schröder sicherte Schulz dennoch seine volle Unterstützung im Wahlkampf zu. "Ich bin Sozialdemokrat und gedenke, das mein Leben lang zu bleiben." Zudem hätten die Deutschen großes Interesse an vernünftigen Beziehungen zu Russland. "Dazu braucht es beide Seiten – und ich will meinen bescheidenen Beitrag leisten", sagte Schröder. Er glaube, "dass es den Rosneft-Mitarbeitern in Deutschland und den Gewerkschaften nicht unwohl ist, wenn ein Deutscher an wichtiger Stelle mit dabei ist".

Der Ex-Bundeskanzler lobte zugleich den Vorschlag von FDP-Chef Christian Linder, im Verhältnis zu Russland die Annexion der Krim nicht weiter zu thematisieren. "Der Vorsitzende der Freien Demokraten ist weiter als diejenigen, die meinen, dass ihnen Russland-Bashing im Wahlkampf hilft", sagte er. "In der Krim-Frage wird sich nichts ändern, alle anderen Fragen sollte man getrennt klären."

Gerhard Schröder ist seit dem Ende seiner Kanzlerschaft 2005 Vorsitzender des Aktionärsausschusses beim Betreiber der Ostsee-Gaspipeline Nord Stream, an dem wiederum der russische Staatskonzern Gazprom die Mehrheit hält. Berichten zufolge könnte Schröder Ende September auch in den Aufsichtsrat von Rosneft berufen werden.

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