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Weltwirtschaftsforum: Mehr Schutz für Arbeitnehmer

Bisher hieß es: Wer im ökonomischen Wettbewerb mithalten will, muss die Rechte von Beschäftigten abbauen. Falsch, sagt das Weltwirtschaftsforum in einer neuen Studie.
Arbeiter von ThyssenKrupp während einer Demonstration in Bochum © Lukas Schulze/Getty Images

Der Schutz von Arbeitnehmerrechten ist laut einer Studie des Weltwirtschaftsforums wichtig für die Wettbewerbsfähigkeit eines Landes. "Die Wettbewerbsfähigkeit verbessert sich sogar, wenn die nötige Flexibilität mit einem angemessenen Schutz der Arbeitnehmerrechte kombiniert wird", schreiben die Autoren des Weltwirtschaftsforums (WEF). In ihrem jährlichen Bericht untersuchen die Forscher die entscheidenden Faktoren, die zu Produktivität und Wohlstand eines Landes und damit zu seiner Wettbewerbsfähigkeit beitragen. Dabei betonen sie die positive Rolle von sicheren Arbeitsplätzen im Kampf um innovative Ideen.

In einer Rangliste der Länder mit der größten Wettbewerbsfähigkeit belegt die Schweiz laut WEF den Spitzenplatz, zum neunten Mal in Folge. Knapp dahinter rangieren die USA und Singapur. Deutschland landet unverändert zum Vorjahr in der Rangliste auf dem fünften Platz, vor Schweden und Großbritannien. "Globale Wettbewerbsfähigkeit hängt immer stärker von der Innovationskraft eines Landes ab", sagt WEF-Gründer Klaus Schwab. "Gut ausgebildete, kreative Arbeitskräfte werden zunehmend wichtiger als Kapital, denn die Welt vollzieht gerade den Übergang vom Kapitalismus zum Talentismus." Wer sich auf diese Entwicklung einstelle und gleichzeitig die politischen, ökonomischen und sozialen Systeme stärke, werde profitieren.

Starke Arbeitnehmerrechte galten im ökonomischen Mainstream lange Zeit vor allem als Hemmnis für eine starke wirtschaftliche Entwicklung. Doch bei der Auswertung von WEF-Daten aus dem vergangenen Jahrzehnt sei deutlich geworden, dass es eben nicht nur um eine Flexibilisierung des Arbeitsmarktes gehe, heißt es in der Studie. Ein ausgewogenes Verhältnis sei entscheidend, und Deutschland in dieser Hinsicht gut aufgestellt.

Die Finanzsysteme haben sich noch immer nicht erholt

Kritischer sieht das WEF den Zustand der globalen Wirtschaft: Zehn Jahre nach der weltweiten Finanzkrise bestünde noch immer wenig Aussicht auf eine dauerhafte ökonomische Erholung. Politiker und Entscheidungsträger würden auf breiter Front versagen, wenn es um benötigte Reformen für mehr Wettbewerbsfähigkeit und Produktivitätssteigerung gehe. In drei Bereichen zeigen sich die Probleme laut WEF besonders deutlich, wie die Analyse von Daten aus dem vergangenen Jahrzehnt ergebe.

Neben Arbeitnehmerrechten bilden die Finanzsysteme das zweite kritische Feld: "Sie haben sich immer noch nicht vom Schock von 2007 erholt, in manchen Teilen der Welt nimmt ihre Stabilität sogar weiter ab", heißt es. Stabile Finanzmärkte aber seien die Voraussetzung für Investitionen in Innovation, die momentan besonders wichtig seien. Die Daten des WEF deuteten drittens auf ein Ungleichgewicht in der Forschung hin. Es werde zwar viel Geld in neue Technologien investiert, andererseits aber fehlten Initiativen, um diese Technologien breitenwirksam nutzbar zu machen. Das wiederum hemme eine Steigerung der Produktivität.

Im vergangenen Jahr wies das WEF darauf hin, dass schon in naher Zukunft mit starken Jobverlusten durch Automatisierung und Robotisierung zu rechnen sei. Es komme nun darauf an, widerstandsfähige Strukturen zu schaffen und Arbeitnehmer in Übergangsphasen zu unterstützen.

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