Bequemen Menschen kann man den Besuch eines klassischen Konzerts eigentlich nicht empfehlen. Das freudlose Schlangestehen an der Kasse, der Stress mit der nicht mehr passgenauen Abendgarderobe, die Duelle um den letzten Parkplatz: das alles sind Widrigkeiten, die den Musikgenuss zumindest trüben. Wer auf das ganze Drum und Dran verzichten will, wer einfach nur großartige Aufführungen erleben will – und zwar je mehr, desto besser –, für den haben die Berliner Philharmoniker seit Anfang 2009 die passende Erfindung parat: eine Digital Concert Hall.

Streng genommen ist diese neue elektronische Spielstätte des Orchesters nichts anderes als eine Website, zu erreichen unter der Internetadresse www.berliner-philharmoniker.de. Dort angekommen, merkt man jedoch schnell, dass hier ein im weltweiten Netz einzigartiges Erlebnis bereitsteht: die Live-Übertragung von Konzerten in Ton und Bild auf höchstem künstlerischen und technischen Niveau.

Nicht einmal als Abonnent der Berliner Philharmonie sind die Konzerte des Orchesters derart lückenlos zu verfolgen wie in der Digital Concert Hall. Über dreißig Mal pro Saison kann man sich die Berliner Philharmoniker per DSL-Leitung zur privaten Soirée nach Hause einladen. Und mit ihnen die erste Garde der internationalen Klassik-Szene – angeführt vom Chefdirigenten Sir Simon Rattle, mit Altmeistern wie Claudio Abbado und Pierre Boulez, Jungstars wie Gustavo Dudamel und Daniel Harding und natürlich mit hochkarätigen Solisten: Janine Jansen, Magdalena Kožená, Maria João Pires, Thomas Quasthoff, Mitsuko Uchida, um nur einige zu nennen.

Die Digital Concert Hall hebt sich in vielfacher Hinsicht von anderen Video-Plattformen im Internet ab. Vor allem durch das Live-Erlebnis (wobei alle Konzerte auch nachträglich aus einem Video-Archiv abgerufen werden können) und durch eine einzigartige Übertragungsqualität, mit hoch auflösendem Bild und einem Klang auf CD-Niveau. Am Bemerkenswertesten vielleicht: dass die Digital Concert Hall nicht von den Marketing-Strategen eine Medienkonzerns erdacht wurde, sondern ein Konzept aus der Mitte des Orchesters ist.