Ein neues Zeitalter der Konzertübertragung Die Berliner Philharmoniker live im Internet
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Eine Vision wird Wirklichkeit

Es war Olaf Maninger, Solocellist und Medienvorstand der Berliner Philharmoniker, der die Idee zu diesem virtuellen Konzertsaal hatte. Ein Schlüsselerlebnis war dabei ein bewegender Auftritt des Orchesters in Taipeh im Jahr 2005. Maninger erinnert sich: »Das Konzert wurde damals auf eine Großbildleinwand vor dem Konzertsaal übertragen. Als wir anschließend vor die Halle traten, wurden wir von zehntausenden Zuschauern empfangen, die uns jubelnd ihre leuchtenden Handy-Display entgegenreckten. Das war ganz unglaublich. Spätestens da dachte ich: Es muss doch eine Möglichkeit geben, unsere Freunde in aller Welt viel öfter audiovisuell zu erreichen.«

Mit Beginn der Saison 2008/09 ist diese Vision Realität geworden – auch für diejenigen übrigens, die nie ins Internet gehen, dafür aber gelegentlich die reale Philharmonie aufsuchen. Dort sieht man nun, verteilt über den ganzen grandiosen Raum, fünf HD-Kameras, die so modern sind, dass sie nicht einmal mehr Kameraleute brauchen. Ferngesteuert aus einem Studio unterm Dach, verfolgen sie die Konzerte der Berliner Philharmoniker wie ein Trupp neugieriger, musikbegeisterter Roboter, nehmen mal den Dirigenten ins Visier, dann wieder den ersten Flötisten und schließlich die Kontrabassgruppe.

Diese aufwändigen Installationen in der denkmalgeschützten Philharmonie bedeuteten ein immenses Investment. Zum Glück stand die Deutsche Bank – Sponsor der Berliner Philharmoniker seit 20 Jahren – dem Orchester auch bei diesem Projekt mit einer großzügigen Zuwendung zur Seite. Aber auch durch den Verkauf von Online-Tickets soll sich das Projekt tragen. 9,90 Euro kostet der Zugang zu einem Konzert, sei es live oder ein Mitschnitt aus dem Archiv. Für 149 Euro gibt es ein Saison-Abonnement mit unbegrenztem Zugang zu allen Live-Übertragungen und Konzertaufzeichnungen – gut sechzig Konzerten insgesamt. 

Und die Musiker selbst? Die sind nach der ersten Saison der Digital Concert Hall erkennbar stolz auf dieses in der Welt der Klassik beispiellose Angebot. Wobei allen bewusst ist, dass man sich mit der permanenten internationalen Öffentlichkeit, die dieses Projekt schafft, weit vorwagt. Und das nicht nur in musikalischer Hinsicht, wie Sir Simon Rattle mit Blick auf die Bildqualität lächelnd feststellt: »Welche Details da zu sehen sind! Wir müssen schon sehr aufpassen mit unserer Gesichtsbehaarung und unseren roten Nasen.« Aber auch für den Chefdirigenten der Berliner Philharmoniker überwiegen die positiven Seiten des virtuellen Konzertsaals bei weitem: »Natürlich bedeutet die Digital Concert Hall einen gewaltigen Entwicklungsschritt für das Orchester. Und es ist ein schönes Gefühl, eine wachsende Familie hier in der Philharmonie begrüßen zu können.«

 
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