Zur Zukunft des Alters – Wohin wird der Weg uns führen?
Eine Reise in die Zukunft des Alters zwischen persönlichen Lebensentwürfen, den Folgen der real-demographischen Entwicklung und neuen technischen Möglichkeiten.
Von Thorsten Pannen und Stefanie Schlereth
„Jeder möchte lange leben, aber keiner will alt werden!“ – Dieses Bonmot, von Jonathan Swift bereits im 18. Jahrhundert formuliert, scheint heute nicht im geringsten an Bedeutung verloren zu haben. Den Wunsch nach einem langen, gesunden und erfolgreichen Leben teilen die meisten. Und tatsächlich werden die Menschen heutzutage, unter anderem dank zahlreicher Verbesserungen im Gesundheits- und Vorsorgewesen, immer älter – fast 16 Millionen Menschen in Deutschland waren schon 2005 älter als 65 Jahre. Die demographische Entwicklung setzt sich dabei relativ stabil fort. Im Jahr 2050 werden so knapp 25 Millionen Menschen älter als 65 sein, bezogen auf eine eher schrumpfende Gesamtbevölkerung. Da sind sich die Experten einig. Die klassische Alterspyramide, wie es sie noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts gab, ist heute passé. Die Altersverteilung in Deutschland entwickelt sich immer mehr gemäß der so genannten Urnenform – die älteren Jahrgänge bilden dabei die bevölkerungsstärkste Gruppe.
Doch was bedeutet „Alter“ eigentlich? Was man mit dem Begriff spontan assoziiert kommt wahrscheinlich darauf an, in welcher Lebenssituation man sich selbst gerade befindet und wie weit das „Alter“ noch von einem entfernt ist. Als Jugendlicher hat man vielleicht die romantisch-naive Idealvorstellung, dass man mit spätestens 65 Jahren zufrieden auf sein Lebenswerk zurück blicken kann und gemütlich im Kreise seiner Lieben im sprichwörtlichen „Haus am See“ sitzt. In späteren Jahren denkt man vielleicht eher an die möglichen gesundheitlichen Probleme und daraus resultierenden körperlichen Einschränkungen. Finanzielle Sorgen und die Angst vor Einsamkeit und gesellschaftlichem Statusverlust können hinzukommen. Und auch wenn Udo Jürgens davon überzeugt ist, dass mit 66 Jahren das Leben erst anfängt, haben viele ein mulmiges Gefühl bei dem Gedanken daran wie es sein wird „alt“ zu sein.
Aber auch wenn die heutige Zeit geprägt ist von Flexibilisierung, Patchwork und Individualisierung, findet man in unserer Gesellschaft doch viele Beispiele von einem funktionierenden und harmonischen Miteinander von Jung und Alt. Die Themen „Mehr-Generationen-Haus“ oder auch „Alters-WG“ haben Hochkonjunktur in den Medien. Man ist bemüht Lösungen zu finden für die neuen Herausforderungen und ist sich einig darüber, dass ein Umdenken stattfinden muss: das Alter darf nicht primär als gesellschaftliches Kostenproblem oder als tragisches Schicksal „der Anderen“ gesehen werden. Es geht vielmehr um gesellschaftliche Verantwortung der sich keiner entziehen darf. Es gilt, den verschiedenen Facetten des zukünftigen Alters gerecht zu werden und sich darüber bewusst zu sein, dass in der Klasse der „neuen Alten“ sowohl rüstige und agile Jungrentner wie auch hochbetagte Pflegefälle zu finden sind.
Die Frage ist, wie sich der Wunsch vieler Senioren nach einer weiterhin eigenständigen Lebensweise einerseits und den, dem Alter geschuldeten, körperlichen Bedürftigkeiten anderseits verbinden lassen. Technische Innovationen im Pflegebereich können wahre Helfer in der Not sein, doch allzu oft ist es sehr schwierig den Verlauf der Demarkationslinien zwischen sinnvoller Hilfe und humaner Zumutung nachzuzeichnen. Hier ist ein hohes Maß an Reflexion – abseits von kommerziellen Interessen – von Seiten der Verantwortlichen notwendig.
Die Politik beginnt – wenn auch zaghaft – das Thema „Alter“ ernst zu nehmen. So hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) für drei Jahre insgesamt 125 Millionen Euro zur Entwicklung von sogenannten AAL-Systemen (Ambient Assisted Living) bereit gestellt, Assistenzsysteme auf Basis intelligenter Technik also, die bei alltäglichen Verrichtungen, der Gesundheitsüberwachung und -prävention sowie der Organisation sozialer Kontakte helfen sollen, auch, um Einsparpotentiale im Pflegebereich realisieren zu können.
Ein selbstständiges Leben bis ins hohe Alter durch technische Unterstützung in den Wohnungen selbst kann schließlich auch zur Entlastung des primär „fremdversorgenden“ Systems beitragen und dafür sorgen, dass ältere Menschen weiterhin in ihrem gewohnten sozialen Umfeld bleiben können . Die große Herausforderung wird aber auch hier immer sein, die Technik als unterstützende – und eben nicht als ersetzende zu installieren. So gilt weiterhin ein Diktum Herrmann Lahms: "Älter werden ist eine Lebensaufgabe." Und das gilt eben für alle.
Philips Applied Technologies hat eine neue Robotics-Technologie entwickelt, mit dem Anspruch älteren und behinderten Menschen den Alltag zu erleichtern. Der im Video vorgestellte Roboterarm agiert sehr präzise und kontrolliert, ein besonderes Augenmerk wurde auf den Aspekt "Sicherheit" gelegt. Wie zahlreiche weitere Beispiele eindrucksvoll belegen, konnten mit der neuen Robotics-Technologie die Grundlagen dafür geschaffen werden, hilfsbedürftige Menschen auf vielfältige und effiziente Art und Weise zu unterstützen und ihnen eine selbstständigere Lebensweise zu ermöglichen.
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