Technik für den Menschen Technik im Dienste der Pflege

In zahlreichen Projekten wird heute schon ausprobiert, wie therapeutische Betreuung und gezielter Einsatz innovativer Technik zum Wohle älterer Menschen eingesetzt werden können – und die Wohnung zum Gesundheitszentrum wird.

Der Anteil der heute 65-Jährigen an der Gesamtbevölkerung beträgt 20 Prozent. Doch auf diese Gruppe entfallen bereits 50 Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben, errechnete 2008 das Statistische Bundesamt. Tendenz weiter steigend. Die Zahl der Ärzte, Pflegekräfte und Therapeuten wächst hingegen nicht im vergleichbaren und notwendigen Maße. „Der Einsatz von Technik kann hier helfen, mit dem vorhandenen Personal eine höhere Effizienz zu erreichen, also mehr Patienten zu behandeln", sagt Professor Elisabeth Steinhagen-Thiessen, Altersforscherin und Chefärztin am Evangelischen Geriatriezentrum Berlin – immer natürlich mit dem Ziel, dass die Kranken die beste Behandlung und Pflege erhalten, die sie benötigen.

Der Orthopädie-Trainer für mehr Training

Wie der Einsatz von Technik Pfleger und Therapeuten bei ihrer Arbeit unterstützen kann, zeigt das Beispiel Orthopädie. Eine Knie- oder Hüftgelenksprothese erhalten in Deutschland jährlich 370.000 Patienten. Deren Anzahl steigt um 7,5 Prozent pro Jahr. An die Operation selbst schließt sich immer eine mehrwöchige Rehabilitation an. Dort gilt für viele Patienten: Mehr Training bringt auch mehr Erfolg. Gezielter Einsatz von Technik verbessert die Erfolgsaussichten zusätzlich, Beispiel: ein von Philips entwickelter Orthopädie-Trainer. Seine Funktionsweise: Ein Therapeut entwickelt für den Patienten ein Übungsprogramm. Sensoren am Körper senden Signale an einen Laptop. Darauf überwacht eine spezielle Software, ob der Patient die Übungen exakt ausführt und zeichnet sie auf. Der Patient sieht sofort am Bildschirm, was er richtig oder falsch gemacht hat. Der Therapeut kann das Training später nachvollziehen und auch sehen, ob der Patient etwa mit Ausweichbewegungen „geschummelt" hat – und die Übungen entsprechend anpassen.

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Hohe Akzeptanz der Hilfsmittel

Wird die Technik auch angenommen? „Ältere können sehr gut mit Technik umgehen", sagt Professor Elisabeth Steinhagen-Thiessen, die auch die Forschungsgruppe Geriatrie an der Berliner Charité leitet.
In einem Forschungsprojekt mit älteren Schlaganfallpatienten stellte sie eine „sehr hohe Akzeptanz" der technischen Hilfsmittel fest. Bei dieser Studie kamen vergleichbare Übungsprogramme und Verfahren zum Einsatz wie im Orthopädie-Beispiel.
Der nach Philips Angaben zukünftig auch für den Heimbereich verfügbare Orthopädie-Trainer weist auf den Trend hin, dass die Wohnung immer mehr zum Gesundheitszentrum wird. Weil ältere Menschen eben auch häufiger unter leichten Gebrechen oder chronischen Erkrankungen leiden. Bereits für die Heimanwendung optimiert sind etwa Geräte für Sauerstofftherapie und gegen schlafbezogene Atmungsstörungen. Immerhin leiden zehn Prozent der Bevölkerung in Deutschland unter Schlaf-Wachstörungen, die dringend behandlungsbedürftig sind.
Beobachtungs- und Behandlungssysteme, in denen Patienten mit Sensoren, Datenaustausch via Internet sowie behandelnde Ärzte und Pflegepersonal im Verbund zusammenarbeiten, werden auch für Herzkrankheiten erprobt. Dabei denken Wissenschaftler nicht nur über telemedizinische Diagnose- und Monitoring-Netzwerke nach, sondern auch über intelligente Unterwäsche und schlaues Werkzeug, in die unauffällige Sensoren integriert sind. Diese Messfühler überprüfen dann lebenswichtige Körperfunktionen und übertragen sie selbsttätig an behandelnde Ärzte. Derzeit läuft unter Leitung von Philips das Projekt HeartCycle, eines der größten Forschungsprojekte der EU im Bereich Biomedizin und Gesundheitswesen. 

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