Thilo Bode ist einer dieser unbequemen Zeitgenossen, von denen es auf der Welt gar nicht genug geben kann. Der Gründer der Verbraucherorganisation "Foodwatch" und ehemaliger Geschäftsführer von "Greenpeace" legt nicht nur den Finger in die Wunden, die Wirtschaft und Politik der Gesellschaft regelmäßig zufügen, sondern macht auch deren Hintergründe und Ursachen begreiflich. Nun hat der gelernte Volkswirt sich eines komplexen Themas angenommen: Das Freihandelsabkommen TTIP, das zwischen der EU und den USA geschlossen werden soll. Im Titel seines neuen Buches ist die Kernaussage bereits enthalten: "Die Freihandelsslüge: Warum TTIP nur den Konzernen nützt – und uns allen schadet". Kein leichtes Thema, möchte man sagen, während man an das Chlorhühnchen oder die Nürnberger Rostbratwürstchen denkt, die bald in Kentucky produziert werden könnten. Doch es geht um viel mehr, und schon im Vorwort erläutert der Autor so anschaulich, warum die Auseinandersetzung mit diesem Abkommen für uns alle notwendig ist, dass man ihm weiter folgen möchte. Bode ist kein Freihandelsgegner, sondern macht deutlich, dass zum Beispiel die Ernährung der Weltbevölkerung ohne internationalen Handel gar nicht möglich wäre. Als Befürworter des fairen Freihandels war er nicht von Anfang an ein Gegner des TTIP. Doch als er sich näher mit dem Thema auseinandersetzte, musste er feststellen: "Das TTIP-Abkommen, wie es jetzt im Geheimen entworfen wird, dient nicht den beteiligten Ländern, der Mehrheit ihrer Bürger und der Mehrheit ihrer Unternehmen, und schon gar nicht dient es den ärmeren Ländern. Es dient fast ausschließlich den großen, weltweit agierenden Konzernen, die ihre Marktanteile und ihren Einfluss absichern und ausbauen wollen."