Das behaupten Alina Bronsky und Denise Wilk in ihrer Streitschrift "Die Abschaffung der Mutter". Die Autorinnen wissen, wovon sie reden, schließlich bringen sie es gemeinsam auf zehn leibliche Kinder.

Was ist passiert mit den Müttern in Deutschland? Fangen wir bei der Schwangerschaft an: Die medizinische Vorsorge hat die werdende Mutter fest im Griff. "Pränataler Overkill" nennen die Autorinnen den Angriff auf die Schwangere, die sich zahlreichen überflüssigen Tests und Untersuchungen unterziehen soll und das Kind bitte schön im Krankenhaus gebären möge. Kinderkriegen ist zum Risiko geworden, und die hohe Kaiserschnittrate in Deutschland ein trauriger Beweis für diese Grundhaltung. Ist das Kind endlich da, geht die Bevormundung erst richtig los. Kurse sollen belegt, Ratgeber gelesen werden, woher soll frau sonst wissen, wie man ein Kind großzieht? Dann ist da noch der neue Vater, der vor lauter Übereifer in einen Wettstreit mit der Mutter gerät und sie schwächt, anstatt sie zu unterstützen. Spätestens beim Stillen weiß die junge Mutter: Ich darf nicht gesehen werden – sonst wirft man mich aus Cafés oder beschimpft mich als Exhibitionistin. Also lieber brav zu Hause bleiben mit dem Nachwuchs? Auch keine Lösung, schon wird man als Glucke und Übermutter tituliert. Außerdem gibt es doch tolle Kitas, und nach einem Jahr wird es dafür höchste Zeit, so lautet mittlerweile der gesellschaftliche Konsens. Wie soll das Kind sonst gefördert werden und Sozialkompetenz erlangen? Ohnehin sollte die Mutter schleunigst in ihren Beruf zurückkehren – um nicht abgehängt oder aussortiert zu werden.