Von einer Alleinverantwortung des Deutschen Reiches, die bisher herrschende Meinung unter Historikern war, kann in seinen Augen keine Rede sein. Alle an den Konflikten im Vorfeld des Krieges beteiligten Mächte hätten Anteil daran gehabt, dass er letztlich ausbrach – obwohl niemand ihn wirklich wollte. 

Clark hat seine Schilderung der letzten Monate vor dem August 1914 unter die Frage gestellt, wie es zu dem Krieg gekommen ist, nicht warum er ausbrach. Was wie ein unwesentlicher Unterschied wirkt, verändert doch entscheidend die Perspektive: Statt der Suche nach einer vermeintlich klaren Ursache und dem vermeintlich klaren Verantwortlichen stellt Clark die Handlungen der politischen Akteure in den wichtigsten Machtzentren Europas in den Mittelpunkt, deren Wechselwirkungen aufeinander, die mehr oder minder offen liegenden Motive der Beteiligten, ihre Wahrnehmung der Ereignisse, ihr Versagen in entscheidenden Momenten, die Fehleinschätzungen. Er zeichnet so das Bild einer hochkomplexen Welt, in der vielfältige Verbindungen und ebenso vielfältige Interessenkonflikte herrschten. In der die Handelnden in den Hauptstädten Englands, Frankreichs, Russlands, Italiens, Österreich-Ungarns und des Deutschen Reichs (einige von ihnen waren eng miteinander verwandt) von gegenseitigem Misstrauen geprägt waren, von Überheblichkeit und Blindheit, für das, was sie auslösten. Er schildert minutiös die Schritte und Entscheidungen, die zum Krieg führten, von dem viele ahnten, dass er noch nie dagewesenes Leid bringen würde, und macht dabei deutlich, dass dieser Krieg keinesfalls unvermeidlich war. Es fehlten die Institutionen des internationalen Ausgleichs, wie wir sie heute kennen, die hätten Einhalt gebieten und die sich auf dem Weg in den Abgrund befindenden Länder noch einmal an einen Tisch bringen können.