Als die Mauer fiel, war Anke Domscheit-Berg 21 Jahre alt und Studentin der Textilkunst. Nach der Wende hat sie alle Chancen genutzt, die ihr der Mauerfall ermöglichte: Sie studierte internationale Betriebswirtschaft und machte als Managerin in der IT-Industrie Karriere, zu ihren Arbeitgebern zählten Firmen wie McKinsey und Microsoft. Es liegt auf der Hand, dass ihr Werdegang ohne die Wende ganz anders verlaufen wäre. Aber viel interessanter ist Domscheit-Bergs Erkenntnis, dass sie das alles nur erreichen konnte, weil sie in der DDR sozialisiert wurde. Wenn jemand weiß, wie man an Widerständen wächst, dann ist es Anke Domscheit-Berg: "Ich bin in der DDR aufgewachsen, ich bin eine Frau, und ich bin ein politisch denkender und engagierter Mensch. Drei Gründe, warum ich in meinem Leben schon gegen allerlei Mauern angerannt bin." Doch der Kampf gegen das System und gegen Vorurteile hat sie nicht resignieren lassen, sondern nur noch mutiger gemacht. Ihre Erfahrungen und Analysen beschreibt die Autorin in ihrem Buch und beginnt mit ihren Erfahrungen in der DDR. Domscheit-Berg erzählt, wie sie am 9. November 1989 im Studentenwohnheim die Nachrichten aus dem Radio mit dem Kassettenrekorder aufnahm, um einen Beweis dafür zu haben, dass der freie Grenzübertritt erlaubt ist. Sie schildert, wie man auf Familienfeiern mit Informellen Mitarbeitern umgegangen ist und mit welch perfiden Mitteln die Stasi sie zur Mitarbeit zwingen wollte. Doch die wichtigste Erkenntnis, die Domscheit-Berg aus der DDR-Zeit gewonnen hat, ist die, dass es aussichtslose Ziele nicht gibt.