"Was ist der Unterschied zwischen einem Handwerker und dem Messias? Der Messias wird eines Tages kommen." Der jüdische Witz ist etwas ganz Besonderes, er ist geprägt von Selbstironie und beinhaltet oft auch eine große Portion Galgenhumor. Er ist frech und doppelbödig, außerdem lehnt er sich gern gegen die eigene Religion auf. Der Publizist Josef Joffe, seit 2000 Herausgeber der "Zeit", liebt jüdische Witze, er hat in seinem Leben unzählige gehört und weitererzählt und empfand das Bedürfnis, sie aufzuschreiben. Gleichzeitig scheute er sich davor, weil es nichts Schlimmeres gibt als Witze, die man erklärt – und viele jüdische Witze muss man erklären, weil sie sich auf einen kulturellen Kontext beziehen. So kam Joffe eine geniale Idee: "Wenn man schon Witze erklären muss (eine Todsünde), warum nicht umgekehrt mit Witzen die Kultur und Religion begreiflich machen – umso mehr, als ein jüdischer Witz ein ganzes Theologie-Seminar in ein paar Sätze fassen kann?"

Joffes Buch "Mach dich nicht so klein, du bist nicht so groß! Der jüdische Humor als Weisheit, Witz und Waffe" ist eine spielerische Einführung in das Judentum und macht deutlich, was Juden mit Hilfe von Humor zu bewältigen versuchten. Da ist das Hadern mit Gott: "Ich weiß, ich weiß. Wir sind Dein auserwähltes Volk. Aber kannst Du Dir nicht ab und zu ein anderes aussuchen?", und das besondere Verhältnis zu den Rabbinern: "Mein Rabbi kann über alles eine Stunde lang reden.  ̶  Meiner ist noch besser. Er kann zwei Stunden lang über nichts reden."