Günter Grass starb am 13. April dieses Jahres im Alter von 87 Jahren. Er prägte die literarische und die politische Landschaft Deutschlands wie kein anderer. Bereits im Jahr 2001 begann der Journalist Michael Jürgs, eine Biografie über ihn zu schreiben, und er wusste, dass keine leichte Aufgabe vor ihm lag. Jürgs las alles, was bis dato über den Nobelpreisträger Grass geschrieben wurde und traf ihn mehrfach in seinem Zuhause in Behlendorf. "Wie aber nähert man sich überhaupt einem überlebensgroßen Gesamtkunstwerk?" fragt er sich in der Einleitung und erzählt, wie er sich auf Günter Grass zubewegte, um sein Leben und Werk zu verstehen.

Viele Tage und Nächte führten die beiden intensive Gespräche in Grass‘ Atelier. Da ging es um die Kindheit in Danzig und die einfachen Verhältnisse, in denen er sich auch als berühmter Autor immer am wohlsten fühlen würde. Sie sprachen über die prägende Rolle seiner Mutter Helene und den Krieg, den der 17-Jährige als Flakhelfer erlebte. Natürlich geht es auch um den beruflichen Werdegang des gelernten Steinmetzes, der erst Künstler und dann Autor wurde, um im Alter von 32 Jahren mit seinem Roman Die Blechtrommel Weltruhm zu erlangen.

Jürgs erfährt viel über Grass‘ Verhältnis zu Frauen  ̶  der Schriftsteller vertraut ihm an, ihnen gegenüber "nicht treu, aber anhänglich" zu sein. Er zeigt sich als Familienmensch und Patriarch, der seine zahlreichen Nachkommen gern um sich schart. Als Jürgs kurz vor dem 75. Geburtstag des Autors die Biografie Bürger Grass präsentiert, bekommt er anschließend das wohl größte Lob, das der Portraitierte auf seine unnachahmliche Art geben kann: Im Buch, sei zwar zu viel privates ‘Gewese‘, aber insgesamt sei es wohl gelungen.