Es ist merkwürdig: Als Helmut Schmidt 1982 aus dem Amt ausschied, galt er noch als mittelmäßiger Kanzler und war wenig populär – 25 Jahre später genoss er fast kultische Verehrung. Was ist da geschehen?

Das weiß keiner besser als Thomas Karlauf, der seit 1987 ein enger Vertrauter Schmidts war und fast alle seine Buchveröffentlichungen betreute. Jetzt hat er die Biographie "Helmut Schmidt. Die späten Jahre" vorgelegt und gibt intime Einblicke in das Leben des Mannes, der bis zu seinem Tod im November 2015 unermüdlich daran gearbeitet hat, zur politischen Kultfigur zu werden. "Obwohl ihm der ganze Rummel um seine Person manchmal ziemlich lästig wurde, ging Schmidt am liebsten auf die Angebote ein, die seine Beliebtheit noch einmal zu steigern versprachen – sofern das überhaupt möglich war. Es gefiel ihm einfach, seinen Ruhm zu genießen", sagt Karlauf, der bei Helmut Schmidt ein- und ausging und uneingeschränkten Zugang zu seinem Privatarchiv hatte.

Die Idee für dieses Buch hatte der Altkanzler selbst, er wünschte sich, dass endlich jemand darüber schreibt, was er seit dem Ausscheiden aus dem Kanzleramt geleistet hat. Und das ist nicht wenig, wir kennen Schmidt als Bestseller-Autor, Weltreisenden, Vortragsredner, Talkshowgast und natürlich als ZEIT-Herausgeber. Als Karlauf, der sich bereits als Biograph von Stefan George einen Namen gemacht hatte, dem Altkanzler vorschlug, selbst dieses Buch zu schreiben, antwortete dieser nur: "Als Freund rate ich Ihnen ab". Doch Karlauf ließ nicht locker, und so begannen die beiden, in Schmidts Privatarchiv zu stöbern und lange Gespräche über das Leben nach 1982 zu führen.