"Mein Haus, mein Auto, mein Boot…" Wer erinnert sich nicht an diese Werbung, in der Männer in den besten Jahren damit angeben, was sie im Leben erreicht haben. Karlmann Renn, genannt Charly, hat es ebenfalls "geschafft": "Mein Haus, meine Frau, meine Kinder…", könnte er sagen, aber seine recht erfolgreiche Karriere als Geschäftsführer eines traditionsreichen Hamburgischen Unternehmens sollte er nicht unerwähnt lassen. Diese Bestandteile eines ganz normalen Männerlebens werden von Michael Kleeberg in "Vaterjahre" sorgfältig seziert. Seinen Helden kennen wir aus "Karlmann", damals war Charly erst 25 Jahre alt, träumte von der großen Karriere und genoss seine zahlreichen Affären. Seitdem ist viel Zeit vergangen, Charly hat ein zweites Mal geheiratet, und aus ihm ist ein monogamer Familienvater und Doppelhaushälfte-Besitzer geworden. Ein spießiges Bilderbuchleben auf den ersten Blick, doch dem Autor gelingt es, durch den zweiten und dritten Blick ein spannendes und aufschlussreiches Porträt einer ganzen Generation zu skizzieren. Es geht um die Menschen in ihrer Lebensmitte, die Generation 40 plus, zu der auch der Autor gehört. 60 Prozent von ihm stecke in seiner Romanfigur, gibt Kleeberg zu, und vielleicht macht genau das den Roman so authentisch. Charly quält die Frage, ob er unter seinen Möglichkeiten lebt - doch nun sind die Weichen gestellt, die Zeit für grundlegende Veränderungen ist vorbei: "Auch die Fontanellen des sozialen Schädels schließen sich irgendwann, doch dauert diese Entwicklung länger als die biologische."