"Sechs Jahre" heißt das neue Buch von Charlotte Link. Wer einen ihrer berühmten psychologischen Spannungsromane erwartet, wird zwar nicht enttäuscht, aber sehr überrascht sein. Zum ersten Mal schreibt die Ausnahmeschriftstellerin über ein persönliches Thema, sie schildert den sechs Jahre andauernden Kampf ihrer Schwester gegen den Krebs. Sie hat ihn im Alter von 46 Jahren verloren, und diese Erfahrung belastet die Autorin bis heute. "Meine Schwester ist der wichtigste Mensch in meinem Leben. Sie war immer da, und ich habe stets in dem Glauben gelebt, dass sie auch in Zukunft da sein würde. Sie war nicht nur meine Schwester, sondern auch meine beste Freundin und engste Vertraute. Sie war der Mensch, der mir Sicherheit, seelische Stabilität und Zuflucht gab."

Als ihre Schwester in jungen Jahren an dem Lymphdrüsenkrebs Morbus Hodgkin erkrankt, wird die Familie zum ersten Mal mit dem möglichen Tod konfrontiert. Fünf Jahre später gilt Franziska nach zahlreichen Therapien als geheilt, doch nach 20 Jahren schlägt das Schicksal erneut zu. Diesmal lautet die Diagnose: Darmkrebs in einem sehr späten Stadium. Eine Onkologin konfrontiert Franziska sehr direkt und unsensibel mit der vermeintlichen Tatsache, dass sie nur noch wenige Monate zu leben habe, und empfiehlt, noch schnell ein Fotoalbum für ihre Kinder anzulegen. Damit zerstört sie in wenigen Minuten das Selbstvertrauen und die Hoffnung ihrer Patientin und löst eine Todesangst in ihr aus, die sie in ihren letzten Jahren begleiten wird.