Annie Proulx ist schon fast so etwas wie eine Legende. In diesem Jahr wird sie 82 Jahre alt, doch mit dem Schreiben begann sie "erst" vor 30 Jahren. Ihr erster Roman "Schiffsmeldungen" wurde ein großer Erfolg, nicht nur als Buch, sondern auch als Film. Ihre Kurzgeschichte "Brokeback Mountain" wurde ebenfalls verfilmt und mit drei Oscars ausgezeichnet. Danach wurde es still um die Autorin, doch wer ihren neuen Roman "Aus hartem Holz" zum ersten Mal in den Händen hält, weiß, was Proulx in den letzten zehn Jahren gemacht hat: Sie hat sehr viel geschrieben und vermutlich noch mehr recherchiert. Fast 900 Seiten und drei Jahrhunderte umfasst ihr neues Werk "Aus hartem Holz", das von Literaturliebhabern sehnsüchtig erwartet wurde. Gewidmet ist es allen, die auf ihre Art aus hartem Holz geschnitzt sind, dazu zählt Proulx Holzfäller und Ökologen, aber auch Picknickausflügler und Schreiner mit zwei linken Händen – und alle übrigen von uns.

Und schon zieht sie den Leser mit in das ausgehende 17. Jahrhundert, wir lernen die Franzosen René Sel und Charles Duquet kennen, die in die kanadischen Wälder ausgewandert sind, um hier in Neufrankreich ein neues und besseres Leben zu beginnen. Doch dieses Leben ist hart und unbarmherzig, tagein tagaus versuchen die jungen Männer, dem scheinbar endlosen Wald als Holzfäller Herr zu werden und begreifen: "Es ist der Wald der Welt. Er hat kein Ende." Drei Jahre sollen die beiden für ihren Dienstherren schuften, der auch ihre Überfahrt bezahlte, danach bekommen sie zum Lohn ein eigenes Stück Land. Sel fügt sich, er muss die indianische Geliebte seines Dienstherren heiraten, schuftet unermüdlich und leistet keinen Widerstand.