"Wahn und Willkür" heißt das neue Buch von Wilhelm Schlötterer, und der Untertitel macht deutlich, womit der Leser es zu tun hat: "Strauß und seine Erben oder wie man ein Land in die Tasche steckt". Die Bayern glauben gern, dass sie im bestmöglichen aller Bundesländer leben, doch das sieht Schlötterer ganz anders. "Bayern ist kein Rechtsstaat, sobald es um Sachverhalte mit politischem Bezug geht", sagt der ehemalige Ministerialrat. Das berühmteste und aktuellste Beispiel hierfür ist der Fall Gustl Mollath. Der Mann, der die Schwarzgeldverschiebungen der Hypovereinsbank und seiner dort beschäftigten Frau angezeigt hatte, wurde in Bayern für psychisch krank erklärt und jahrelang weggesperrt. In seiner Verzweiflung wandte Mollath sich an Wilhelm Schlötterer, der 2009 mit seinem Bestseller "Macht und Missbrauch" den Kampf gegen die Machenschaften der bayerischen Politiker aufgenommen hatte. Und obwohl Schlötterer als Experte für die Skrupellosigkeit von Politik und Justiz schwer zu erschüttern sein dürfte, konnte er zunächst nicht glauben, was Gustl Mollath ihm berichtete. Schlötterer sammelte Fakten und neue Zeugenaussagen, führte persönliche Gespräche mit Mollath und erkannte als erster das ganze Ausmaß dieses Falls: "Hier wurde ein völlig normaler Mensch durch einen brutalen Willkürakt in der Psychiatrie gefangen gehalten – allein wegen seines gefährlichen Wissens um die Schwarzgeldverschiebungen." Schlötterer machte den Fall publik, was zur Wiederaufnahme des Verfahrens und zur Freilassung Mollaths führte. Der Jurist macht in seinem neuen Buch "Wahn und Willkür" deutlich, dass es sich hier nicht um einen Justizirrtum handelt, sondern um ein Verbrechen. Ein Mensch wurde systematisch weggesperrt und damit ausgeschaltet. Aber wie ist das möglich in einem Land, das christsozial regiert wird, deren Regierende sich als fromme Christen bezeichnen? Und warum kommt es ausgerechnet in Bayern zu so vielen Fällen von Machtmissbrauch durch Politiker?