"Ich war noch keine neun Jahre alt. Und ich hatte Angst. Angst vor den Bomben, Angst um mein Zuhause, Angst um meine Eltern und Geschwister." Die heute 82jährige Cornelia Schmalz-Jacobsen hat sich in ihrem neuen Buch "Russensommer" auf eine Reise in ihre Kindheit begeben. Es ist eine Kindheit im Krieg, mitten in Berlin, und das Mädchen weiß bereits, dass Deutschland von einem "bösen König" regiert wird. Cornelias Eltern sind Regimegegner, sie helfen Juden und verstecken einige von ihnen im eigenen Haus. Dieses "Antinazigeheimnis" muss die kleine Cornelia für sich behalten, sie lernt früh, dass sie außerhalb der Familie keinem Menschen trauen darf. Als die Situation in Berlin immer bedrohlicher wird und die Kinderlandverschickung beginnt, beschließen ihre Eltern, die jüngste Tochter in Sicherheit zu bringen. Glücklicherweise gibt es Verwandte auf der Halbinsel Darß-Zingst, die das Mädchen auf ihrem Hof aufnehmen. Ein neuer Lebensabschnitt beginnt, er soll fast drei Jahre andauern und Cornelia Schmalz-Jacobsen bis heute prägen. Ihr "Russensommer" ist mit vielen positiven Erinnerungen verbunden, aber auch mit ambivalenten Gefühlen. Natürlich hat das Mädchen Heimweh, es sehnt sich nach der Familie. Hier auf dem Darß nimmt keiner Cornelia in den Arm, aber sie wird respektiert und über die Geschehnisse in der Welt informiert. Schließlich steht der Einmarsch der Russen kurz bevor, doch im Gegensatz zu den meisten Deutschen hat Cornelia keine Angst, sie freut sich über die Befreiung. Das kluge Mädchen lernt aber auch, dass die russischen Soldaten keinen Alkohol in die Finger kriegen dürfen und die Worte "Frau, komm" etwas Schreckliches bedeuten.