Was muss in dem Leben eines Menschen passiert sein, der bei vollem Bewusstsein nicht nur sich selbst auf grausame Art tötet, sondern dabei auch zahlreiche unschuldige Personen mit in den Tod reißt? Diese Frage bewegt uns seit dem Flugzeugabsturz am 24. März, und in diesem Zusammenhang ist besonders interessant, was die Philosophin Barbara Strohschein sagt: "Jedem Gewaltakt geht eine Entwertung voraus". Sie hat lange über diese These nachgedacht, die ihr vor ein paar Jahren spontan in den Sinn kam und wollte wissen: Wer entwertet – und warum? Wir alle kennen die täglichen "kleinen" Entwertungen, man nennt sie Missachtung oder Mobbing, sie finden in der Schule oder am Arbeitsplatz statt. Im Fernsehen werden Jugendliche vor laufender Kamera entwertet, weil sie nicht hübsch oder dünn genug sind oder nicht perfekt singen können. Menschen werden wegen ihrer Herkunft oder ihrer Religionszugehörigkeit entwertet, aber Entwertung beginnt bereits in der Familie, wo Kinder gekränkt werden oder nur dann Zuneigung erfahren, wenn sie Leistung zeigen. Die entscheidende Frage ist: Welche Auswirkungen haben all diese Entwertungen auf unser Verhalten? Die Philosophin Strohschein hat  für ihre Analyse vier berühmte Philosophen hinzugezogen: Søren Kierkegaard, Arthur Schopenhauer, Friedrich Nietzsche und Ernst Bloch. Sie spielen in dem Buch "Die gekränkte Gesellschaft" eine zentrale Rolle, nicht nur ihre Philosophie, sondern auch ihr Leben wird beleuchtet und interpretiert.

Um der Frage auf den Grund zu gehen, warum unsere Gesellschaft offensichtlich gekränkt ist und die Menschen sich gegenseitig lieber entwerten, anstatt sich Anerkennung entgegen zu bringen, untersucht die Autorin die zahlreichen Schauplätze der Entwertung, denen wir täglich ausgesetzt sind.