Vierhundert Meter Seil, sechs Meter Kette und ein halb verwestes schottisches Hochlandrind nehmen die Freunde Morten und Hugo mit auf ein kleines Schlauchboot. Das Ziel: der Vestfjord vor den Lofoten. Das Objekt ihrer Begierde: der Eishai. Den gibt es wirklich: "Der Eishai ist ein Urzeitwesen, das am Grund tiefer norwegischer Fjorde bis hinauf zum Nordpol schwimmt. Er kann größer werden als der weiße Hai und ist damit der größte fleischfressende Hai der Welt", erklärt Morten A. Strøksnes in seinem "Buch vom Meer".
Als wäre das nicht furchteinflößend genug, kann so ein Eishai mehrere hundert Jahre alt werden. Seine Augen sind von Parasiten zerfressen, und seine Beute erspürt er anhand von elektromagnetischen Schwingungen.
Was veranlasst zwei erwachsene Männer, der eine Schriftsteller und werdender Vater, der andere freischaffender Künstler, zu so einem Abenteuer?
Es ist das Meer, das ruft, und es löst in den beiden Norwegern eine tiefe Sehnsucht aus. Sie wollen es mit all ihren Sinnen erfahren und einmal einem seiner gefährlichsten Bewohner Auge in Auge gegenüberstehen. Vielleicht muss man Norweger sein, um auf so eine Idee zu kommen, aber man muss keiner sein, um dieses Buch zu lieben und der Faszination des Meeres zu erliegen.
Die Fjorde sind stumm, und auch die beiden Männer sind es meistens. Nur deshalb kommen sie so lange auf hoher See miteinander aus. Doch das Meer hat viel zu erzählen, und während die Freunde im Nordatlantik ihren Köder versenken, um den sagenumwobenen Eishai anzulocken, schwappen unzählige Geschichten an Bord. Sie alle handeln vom Meer, von seinen Bewohnern, den Menschen, die mit ihm und von ihm leben müssen, den Legenden und Mythen und Geheimnissen.