Es gibt Bücher, die eine starke Sogwirkung besitzen. Physikalisch lässt sich dieses Phänomen vermutlich nicht nachweisen, aber jeder passionierte Leser kennt das Erlebnis. Je länger man in so einem Buch liest, desto weiter wird man hineingesogen in die Geschichte, in das Land, in dem es spielt, und mitten hinein in die Familie, die im Mittelpunkt steht. Und man kann nicht aufhören zu lesen, bis die letzte Seite erreicht ist. Selbst die Danksagung liest man noch, damit das Buch bloß nicht zu Ende ist. "Das Geheimnis der Schwimmerin" ist so ein Buch, es kommt pünktlich zur gemütlichsten Jahreszeit, die sich am besten an einem warmen Ort mit einem richtig dicken Schmöker auf dem Schoß ertragen lässt. Sobald man angefangen hat, die Geschichte von Simon Watson zu lesen, ist es um einen geschehen. Der schüchterne Bibliothekar lebt ganz allein in einem alten Haus an der Küste Long Islands. Seine Eltern sind bereits verstorben, seine Schwester reist als Schaustellerin durchs Land. Das Haus direkt am Meer ist völlig marode, jeder Windstoß richtet neue Schäden an, jede Sturmflut nagt an dem Grundstück. Doch Simon hat kein Geld, sein Elternhaus restaurieren zu lassen. Dann verliert er auch noch seinen Job in der Bibliothek. Als plötzlich ein mysteriöses Buch vor seiner Tür liegt, hat Simon die perfekte Ablenkung gefunden. Es scheint sich um eine Art Tage- oder Geschäftsbuch einer fahrenden Schaustellertruppe zu handeln, die im 18. Jahrhundert durch Neuengland zog – aber wieso taucht der Name von Simons Großmutter darin auf? Was können die vielen geheimnisvollen Zeichnungen bedeuten? Und was haben die vermeintlichen Meerjungfrauen und exotischen Wahrsager mit seiner Familiengeschichte zu tun?