Seit über 50 Jahren arbeitet Irvin D. Yalom als Psychotherapeut und wurde mit seinem Roman "Und Nietzsche weinte" 1994 weltweit zum Bestseller-Autor. Yaloms besondere Kunst ist es, auf faszinierende Weise von der Psychotherapie zu erzählen und all die Probleme und Abgründe der einzelnen Menschen mit seinem verständnisvollen Blick zu ergründen. So bekommt man auch als Laie einen tiefen Einblick in die Arbeit eines außergewöhnlichen Analytikers. In seinem neuesten Buch "Denn alles ist vergänglich" erzählt Yalom zehn Geschichten aus der Psychotherapie, in denen es um existentielle Themen wie die eigene Vergänglichkeit, die Angst vor dem Tod oder den Verlust eines geliebten Menschen geht. Dabei stehen zwei Fragen im Mittelpunkt, mit denen sich jeder früher oder später auseinandersetzen muss: Wie führt man ein sinnvolles Leben im Hier und Jetzt? Und wie arrangiert man sich mit dem Alter?

Alle Beispiele aus dem Buch sind auf ihre Art besonders. Da sucht eine todkranke Frau nach dem Lebenssinn, ein junger Mann bekämpft die Todesangst mit sexueller Aktivität und eine Krankenschwester kann andere trösten, kümmert sich aber nicht um sich selbst.

Oft kennen Yaloms Klienten ihren wunden Punkt, aber sie brauchen das direkte Gespräch und die Konfrontation, um die Wahrheit annehmen zu können. So hält eine ehemalige russische Tänzerin ihrem Analytiker als erstes ein Jugendfoto von sich unter die Nase, um zu zeigen, wie attraktiv sie einmal war. Auf ihr größtes Problem macht sie damit sofort aufmerksam: Sie lebt in der Vergangenheit und kann die Gegenwart nicht akzeptieren. Ein dynamischer 77-jähriger Manager lebt in einem exklusiven Seniorenheim, doch er kommt dort nicht zurecht und beklagt sich über die vielen Angebote und Terminpläne. Der Therapeut erkennt schnell: "Sie erleben es als eine Falle, eine Endstation, als ein Gefängnis, das Sie einsperrt."