Die Schriftstellerin Juli Zeh hat es gewagt: Vor zehn Jahren kehrte sie der Stadt den Rücken und zog aufs Land. Sie kaufte sich ein Haus in Brandenburg, eine echte Bruchbude, wie sie schnell merkte, und seitdem lebt sie in einem 300-Seelen-Dorf, fernab von Geschäften und Ärzten. Heute sagt sie: "Dieses Dorf war für mich eine Befreiung. Wäre ich in Leipzig geblieben, hätte ich garantiert eine Schreibkrise und eine Depression bekommen." Von einer Schreibkrise kann bei ihr in der Tat nicht die Rede sein. Zehs neuer Roman "Unterleuten" umfasst mehr als 600 Seiten und hätte ohne ihre Erfahrungen in der Provinz nicht entstehen können. Juli Zeh kennt sich aus mit dem Dorf-Funk und den Gerüchteküchen, die in der Provinz brodeln. Die Protagonisten ihres Romans bestehen zum einen aus Städtern, die auf dem Land ihre Ruhe haben und Träume verwirklichen wollen. Auf der anderen Seite gibt es die Alteingesessenen, die sich ihr Leben lang kennen, gemeinsam die Wende erlebt haben und nicht nur Freundschaften, sondern vor allem ihre Feindschaften bewusst pflegen.

Als ein Investor eine riesige Windkraftanlage am Rande der Ortschaft bauen will, kommt Bewegung in das kleine Dorf. Plötzlich müssen die Unterleutener miteinander reden und sich mit der drohenden Veränderung auseinandersetzen. Für den Vogelschützer Gerhard mit seiner jungen Frau und dem Baby ist klar: "Er war nicht aufs Land gezogen, um zu erleben, wie der urbane Wahnsinn die Provinz erreichte. Er verzichtete nicht auf Theater, Kino, Kneipe, Bäcker, Zeitungskiosk und Arzt, um durchs Schlafzimmerfenster auf einen Maschinenpark zu schauen, dessen Rotoren die ländliche Idylle zu einer beliebigen strukturschwachen Region verquirlten."