Nach der Arbeit spaziert Niko Kohls gerne durch den Hofgarten zu dem Hügel, auf dem sich die Veste Coburg erhebt, die turmbewehrte Burg der Stadt. Auf dem Weg dorthin nimmt der 41-Jährige bewusst jeden Schritt und jeden Atemzug wahr. "Dadurch bewege ich mich nicht nur. Ich habe auch ein achtsames Erlebnis", sagt er. Der Medizinpsychologe beschreibt, was ihn persönlich fit hält. Doch genauso skizziert er auch das Gebiet, auf dem er am Fachbereich Integrative Gesundheitsförderung der Fakultät Soziale Arbeit und Gesundheit der Hochschule Coburg forscht. Niko Kohls beschäftigt sich als Experte für Achtsamkeit mit der Frage, wie die Menschen in einer zunehmend älter werdenden Gesellschaft möglichst lange gesund bleiben. "In diesem Zusammenhang rückt die Achtsamkeit in den Fokus – jene Fähigkeit, die uns das Hier und Jetzt wie ein staunendes Kind erleben lässt, das im Zoo zum ersten Mal Eisbären erblickt", erklärt der Forscher. "Aus Erkenntnissen der Neurobiologie wissen wir, dass Menschen, die achtsam leben und regelmäßig meditieren, weniger anfällig für stress- und altersbedingte Erkrankungen wie Bluthochdruck sind."

Der demografische Wandel verändert unser Land: Im Jahr 2030 wird etwa die Hälfte der Deutschen mehr als 50 und fast jede dritte Person älter als 65 Jahre sein. Zugleich kommen immer weniger Kinder zur Welt. Diese Entwicklung stellt Gesetzgeber, Kommunen, Wirtschaft und Gesellschaft vor große Herausforderungen. Viele Unternehmer merken bereits heute, dass ihre Mitarbeiter im Durchschnitt älter sind als noch vor einigen Jahren, und sie erleben einen massiven Anstieg an Krankschreibungen aufgrund psychischer Beschwerden wie Burnout. Kohls ist mit seinem gesundheitspsychologischen Schwerpunkt auf der Erforschung der Achtsamkeit inzwischen ein gefragter Referent und Berater für Unternehmen.

Im Rahmen eines Forschungsprojektes des Generation Research Program des humanwissenschaftlichen Zentrums der Maximilians-Universität München und der Hochschule Coburg hat er gemeinsam mit der Kalapa Leadership Academy, die Unternehmenstrainings anbietet, ein Projekt angestoßen, das die Wirkung von Achtsamkeit am Arbeitsplatz untersucht. In elf Unternehmen, darunter dm drogeriemarkt und Bosch, wurde den Mitarbeitern gezeigt, wie sie im Alltag durch einfaches Meditieren Stress abbauen können. Bei einer Meditation sitzen die Teilnehmer still in einer bequemen Position und achten auf ihren Atem. "Außerdem üben wir einen kontrollierten Umgang beispielsweise mit E-Mails, indem wir die Mitarbeiter auffordern, ihr Postfach nur zweimal am Tag zu öffnen. Denn das permanente Checken der Mails verschlingt viel Arbeitszeit und dehnt sich häufig bis in den Bereich der Freizeit aus. Im schlimmsten Fall ist eine E-Mail- Sucht die Folge, und auch die kann die Gesundheit beeinträchtigen", berichtet Kohls.