Ein Beitrag von Hans-Hennig von Grünberg

Eine moderne Hochschule muss Leistungen nicht allein in Forschung und Lehre, sondern auch im Transfer von Wissen und Technologie erbringen. Die transferorientierte Forschung hat sich seit den 90er-Jahren neben der praxisorientierten Lehre zu einem zweiten profilbildenden Merkmal der Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW) entwickelt.

9 Hochschulen in 8 Bundesländern mit rund 79 000 Studierenden und über 1500 Professoren

Dank interdisziplinärer und anwendungsorientierter Forschung sind die HAW inzwischen attraktiver Partner vor allem für mittelständische Unternehmen. Es ist daher an der Zeit, die anwendungs- und transferorientierte Forschung endlich aus der zweiten Reihe zu holen und als gleichwertigen Forschungsansatz in demselben Umfang öffentlich zu fördern wie die grundlagenorientierte Forschung. Nicht zuletzt, um Deutschlands Innovationskultur zu stimulieren und so die technologische Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Den forschenden Hochschulen für Angewandte Wissenschaften müssen mehr Türen geöffnet werden. Die Förderkriterien vieler Förderprogramme sind zu einseitig an dem Forschungsverständnis klassischer Universitäten orientiert.

Ein in der allgemeinen Debatte über den Hochschul- und Innovationsstandort Deutschland ebenfalls noch viel zu wenig wahrgenommener weiterer Aspekt ist die Funktion der Hochschulen als regionale Entwicklungszentren. So stehen die Hochschulen für Angewandte Wissenschaften insbesondere dem Mittelstand auch in strukturschwachen Regionen partnerschaftlich zur Seite. Sie bilden gemeinsam junge Menschen aus und stärken auf diese Weise die Region. Sie verhindern das Abwandern junger Talente und sind so ein wirkungsvoller Schutz gegen den demografisch bedingten Strukturwandel. Sie leisten auch einen entscheidenden Beitrag bei der Integration von Migranten und deren Kindern in die akademische Welt. Die Chancen, die sich aus dieser Netzwerkstruktur von Wirtschaft und Hochschulen ergeben, wurden bisher nicht immer erkannt.

Prof. Hans-Hennig von Grünberg, Vorstandsvorsitzender der Hochschulallianz für den Mittelstand und Präsident der Hochschule Niederrhein

Hochschulen für Angewandte Wissenschaften haben heute wesentlichen Anteil an der Sicherung der Leistungsfähigkeit des deutschen Forschungs- und Hochschulwesens und der Weiterentwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft. Die Wirtschaft braucht in Zukunft berufsorientiert und gleichzeitig akademisch ausgebildetes Personal ebenso wie innovative Ideen. Die Hochschulen für Angewandte Wissenschaften leisten sowohl einen erheblichen Beitrag bei der Bewältigung der wachsenden Studierendenzahlen als auch für die Generierung neuer Wachstumsimpulse, wobei sie ihr Potenzial bei Weitem noch nicht ausgeschöpft haben. Bund und Länder stehen deshalb in der Verantwortung, Prioritäten richtig zu setzen und die akademische Lehre und Forschung an den Hochschulen für Angewandte Wissenschaften zu stärken.