University of Applied Science – die Übersetzung ins Englische zeigt, was moderne Fachhochschulen verbindet: Wissenschaft und Anwendbarkeit. Das gilt für Lehre und Forschung. Letztere baut die Fachhochschule Flensburg konsequent aus – mit einer Besonderheit: Forschung und Wissenstransfer werden im Dr. Werner Jackstädt-Zentrum für Unternehmertum und Mittelstand Flensburg, als gemeinsamer Einrichtung von Fachhochschule und Europa- Universität Flensburg, vorangetrieben. Seit 2011 fördert die Jackstädt-Stiftung aus Wuppertal ihr Zentrum in Flensburg. Von der Zusammenarbeit zwischen den Wirtschaftswissenschaften beider Hochschulen profitieren Studierende, Wissenschaftler und die Wirtschaft, die nördlich und südlich der deutsch-dänischen Grenze geprägt ist von kleinen und mittelständischen Unternehmen. Das Jackstädt-Zentrum ist der Ort, an dem spannende wirtschaftswissenschaftliche Projekte angesiedelt sind, auch das kürzlich gestartete Projekt "Ethik-, Qualitäts-, Compliance- Management für die Lebensmittelbranche im Mittelstand" (Lebensmittel-eq.com), auf das die Eigenschaftswörter praxisbezogen, interdisziplinär und nachhaltig wirklich zutreffen. "Lebensmittel-eq.com" ist nachhaltig, weil es auf die Lebensmittelbranche fokussiert, die in einem harten Konkurrenzkampf steht und dabei Regeln befolgen muss, die letztlich der Sicherheit des Verbrauchers, der Mitarbeiter und der Bürger dienen. So müssen beispielsweise Qualitätsstandards eingehalten und Regeln des Arbeits- und Umweltschutzes befolgt werden. Viel Arbeit, die kleine und mittelständische Unternehmen täglich fordert. Ein integriertes Managementsystem, von der Projektgruppe entwickelt, wird am Ende der Projektlaufzeit für eine optimierte, kostensparende Organisation im Unternehmen und für mehr Lebensmittelsicherheit des Verbrauchers sorgen.

Zusammengetan haben sich an der Fachhochschule Flensburg der Wirtschaftsethiker Rainer Kreuzhof, die Lebensmitteltechnologin Birte Nicolai und der Wirtschaftsjurist Hasso Heybrock – Professuren aus drei ganz verschiedenen Fachrichtungen, die sich in diesem Projekt wunderbar ergänzen."Wir wollen den Unternehmen in Schleswig-Holstein zeigen, dass man mit einer nachhaltigen Arbeit langfristig und verantwortungsbewusst seinen Erfolg sichert", bringt es Rainer Kreuzhof, einer der beiden Sprecher des Jackstädt-Zentrums, auf den Punkt. Haftungsvermeidung, Reputationsgewinn, Unternehmensgewinn und ein Ansehen bei den Verbrauchern sollen mit dem integrierten Managementsystem leichter realisiert werden. Als Multiplikatoren und Projektpartner konnten das Lebensmittelinstitut KIN e.V. aus Neumünster sowie die Handwerkskammer Flensburg gewonnen werden. Gefördert wird das Projekt durch die Landesregierung Schleswig-Holsteins. Wissenschafts- Staatssekretär Rolf Fischer sagte anlässlich des dreijährigen Bestehens des Dr. Werner Jackstädt-Zentrums: "Das Zentrum ist das Flaggschiff für den Wissenstransfer in unserem Land und damit modellhaft für Schleswig-Holstein."    

Kontakt
Dr. Werner Jackstädt-Zentrum für Unternehmertum und Mittelstand Flensburg
Prof. Dr. Dr. Rainer Kreuzhof, Sprecher Dr. Werner Jackstädt-Zentrum
kreuzhof@fh-flensburg.de
www.jackstaedt-flensburg.de


Kleinere Fachhochschulen dürfen Anschluss nicht verlieren

An der FH Flensburg fordert man die Berücksichtigung regionaler Bedingungen bei der Verteilung von Forschungsgeldern.

Vor gut 20 Jahren fing Dr. Heike Bille an, sich mit Forschung und Entwicklung, mit dem Technologietransfer an der Fachhochschule Flensburg zu beschäftigen. Heute ist die Beauftragte der FH für diese Themenfelder stolz, wenn sie berichtet, dass die Professoren an Deutschlands nördlichster Hochschule jährlich zwei Millionen Euro an Drittmitteln für Forschungsprojekte einwerben. "Für eine relativ kleine Fachhochschule in einer strukturschwachen Region ist das eine sehr gute Leistung", sagt Bille.

Aber, fragt Bille, ist das bisherige Transfersystem für die Zukunft geeignet? Damit spielt sie darauf an, dass kleinere Hochschulen die Voraussetzungen zur Erlangung von Fördermitteln etwa durch den Bund oder die EU oft kaum erfüllen können. Nicht alle Fachhochschulen seien gleich in ihrer Struktur, kämpften mit regional unterschiedlichen Rahmenbedingungen, zumal an kleineren Standorten in strukturschwachen Regionen. So wie die FH Flensburg mit derzeit 4175 Studierenden und 86 Professoren. Das bestehende Förderungssystem nehme darauf jedoch kaum Rücksicht, was dazu führe, dass vornehmlich große, forschungsstarke Fachhochschulen immer weiter gestärkt werden, so Bille. Diese Lücke müsse geschlossen werden, denn jede Hochschule habe eine wichtige Bedeutung für die Region. "Die kleinen und mittleren Unternehmen, die wir als FH Flensburg beispielsweise im Fokus haben, sind auf unsere Expertise bei der Lösung spezieller Probleme sowie die Fachkräfte, die wir ausbilden, angewiesen." Geht dieser Transfer ins Umfeld verloren, befürchtet Bille, dass ganze Wirtschaftszweige in einer Region in Existenznot geraten könnten. Die Fachhochschulen haben aufgrund der Befristung von Drittmittelprojekten immer wieder mit einem Know-how-Verlust zu kämpfen, "da wir qualifizierten Mitarbeitern kaum langfristige berufliche Perspektiven bieten können", sagt Bille. "Forschung ist an Fachhochschulen immer eine endliche Sache." 

Kontakt
Fachhochschule Flensburg
Dr. Heike Bille, Beauftragte für Forschung, Entwicklung und Technologietransfer
heike.bille@fh-flensburg.de

www.fh-flensburg.de


Prof. Dr. Torsten Faber im Interview.

Das Rotorblatt der Zukunft besteht aus Holz

Am Wind Energy Technology Institute (WETI) der Fachhochschule Flensburg arbeitet das Team um Institutsleiter Prof. Dr. Torsten Faber am Rotorblatt der Zukunft: Windenergieanlagen sollen in naher Zukunft mit Holzflügeln ausgestattet werden.

Herr Prof. Dr. Faber, dass Sie Rotorblätter aus Holz entwickeln, hängt nicht damit zusammen, dass Sie gelernter Zimmermann sind? 

Ich habe natürlich eine Affinität zu Holz. Aber es ist einfach der Werkstoff der Zukunft – gerade im Bereich der Windenergie. Es gibt doch aber bereits Rotorblätter aus Holz. Die Idee, Holz in der Rotorblattherstellung zu verwenden, ist in der Tat nicht neu. In der Vollkörperbauweise werden heute noch Propeller für Sportflugzeuge oder Rotoren mit 30 Meter Blattlänge für Kleinwindkraftanlagen aus Holz gefräst. Aufgrund der hohen Massen kommt diese Bauweise aber für große Rotorblätter nicht infrage. Unser Ziel ist es, einen Prototyp für moderne Holzrotorblätter mit einer Länge von mehr als 50 Metern zu entwickeln, mit denen Fünf- Megawatt-Anlagen betrieben werden können. 

Wie könnte ein Prototyp aussehen? 

Wir haben verschiedene Holzbauweisen für das Rotorblatt einer Referenzanlage, die Forschungsprojekten weltweit einheitliche Anlageparameter bietet, untersucht. Das Ergebnis: Für die aerodynamischen Belastungen dieser Fünf-Megawatt- Referenzturbine ist eine reine Holzbauweise möglich. Nun arbeiten wir an der optimalen Geometrie von Holzblatt und Anlage. 

Was sind da die Herausforderungen? 

Das Design eines Rotorblatts ist immer ein Kompromiss aus aerodynamischer und struktureller Effizienz. Zudem müssen mögliche Einschränkungen durch den Herstellungsprozess beachtet werden. Dieser Kompromiss sieht für ein Holzrotorblatt anders aus als für herkömmliche Rotorblätter aus Glasfaserverstärktem Kunststoff. Das betrifft zum Beispiel das Gewicht. Richtig. Während die Ausführung des Rotorblatts in Vollkörperbauweise 140 Tonnen wiegen würde, lässt sich das Blattgewicht durch einen einfachen Hohlkörper auf 36 Tonnen reduzieren. Das ist zwar noch etwa das Doppelte eines herkömmlichen Rotorblatts, bietet aber Potenzial zur Gewichtssenkung durch einen optimierten Materialeinsatz. Am WETI arbeiten wir an einem Rotorblatt, das weitestgehend aus Furnierschichtholz bestehen soll. Das erreicht durch seine ausgleichende Wirkung auf Fehlstellen im Holz eine höhere Festigkeit als andere Holzerzeugnisse und weist hervorragende mechanische Eigenschaften auf. 

Warum lohnt sich die Umstellung auf Holz? 

Weil es ein hervorragender natürlicher Faserverbundwerkstoff ist, der eine nahezu CO2- neutrale Energiebilanz aufweist. Weitere Vorteile gegenüber GFK-Blättern sind etwa die energiesparende Produktion, die regionale Verfügbarkeit von Holz und dessen gute Recycelbarkeit. Ein wichtiges Argument ist das unschlagbare Ermüdungsverhalten. Sehen Sie sich einen Baum an: Der trotzt den Windböen, wie es auch eine Windenergieanlage tun muss. 

Kontakt
Institut für Windenergietechnik der FH Flensburg
Prof. Dr. Torsten Faber, Leiter
torsten.faber@fh-flensburg.de
www.weti.fh-flensburg.de