Sie soll den Wissenschaftsstandort Berlin international bekannter machen und ein breites Publikum für Wissenschaft begeistern, sagt der Physiker Jürgen Mlynek, Koordinator der Veranstaltung.


Die Berlin Science Week findetvom 1. bis zum 10. November in Berlin statt – bei Ihnen hat eine Woche zehn Tage!
Das stimmt. Aber letztlich soll Berlin in einen Ort der Wissenschaft für ein internationales Publikum verwandelt werden, und zwar für einen längeren Zeitraum. Außerdem sind sogar zehn Tage zu kurz, um so viele hochkarätige Veranstaltungen zu präsentieren!


Wie sind Sie auf die Idee zur Berlin Science Week gekommen?
Die Falling Walls Conference findet jedes Jahr am 9. November statt und ist eine sehr attraktive Veranstaltung für Spitzenforscher aus der ganzen Welt. Gleichzeitig muss ein Wissenschaftler aus San Francisco, Tokio oder Sidney weit reisen, um dabei zu sein – daher entstand die Idee, weitere Wissenschaftsveranstaltungen in diesem Zeitraum zu bündeln.


Ist Ihre Idee im vergangenen Jahr auf der ersten Berlin Science Week aufgegangen?
Ja, sehr gut – mit knapp 40 Wissenschaftsveranstaltungen in zehn Tagen. Beispielsweise war der Mediziner Randolph Nesse von der Arizona State University zu Gast auf der Falling Walls Conference und hat darüber gesprochen, warum wir aus evolutionsbiologischer Sicht krank werden – und welche Auswirkungen diese Fragestellung auf die Diagnostik und Therapie der Zukunft hat. Gleichzeitig war Nesse Sprecher auf einem Symposium der Charité. Daneben zog das State Festival ein breites und junges Publikum zu unterschiedlichsten Veranstaltungen an der Schnittstelle von Kunst und Wissenschaft. In diesem Jahr wird der Chemie- Nobelpreisträger William E. Moerner von der Stanford University auf unserer Konferenz von dem Blick auf nur winzige Nanometer kleine Strukturen in lebenden Zellen durch die superauflösende Fluoreszenzmikroskopie sprechen. Ihn haben die Kollegen vom Technologiezentrum Berlin Adlershof für das Forschungsforum angefragt. Viele Veranstaltungen richten sich nicht nur an Fachleute, sondern an ein breites Publikum. Das Wissen wird dadurch in die Stadt getragen.


Was erwartet den Besucher noch auf der diesjährigen Berlin Science Week?
Das Haus der kleinen Forscher veranstaltet ein Symposium mit ungefähr 100 Wissenschaftlern aus aller Welt zum Thema frühkindliche Bildung. In der Französischen Botschaft am Pariser Platz findet eine Veranstaltung zur sogenannten zweiten Quantenrevolution statt, wo unter anderem drei Nobelpreisträger über die Kommunikation mittels Quanten und Quantencomputern sprechen. Unter den anwesenden Preisträgern ist der Nobelpreisträger Bill Phillips aus Washington, der sich bereit erklärt hat, bei dem Nachwuchswettbewerb Falling Walls Lab in der Jury zu sitzen – was mich für die jungen Nachwuchswissenschaftler sehr freut. Die Ausstellung "1001 Inventions and the World of Ibn Al-Haytham" präsentiert die wissenschaftlichen Errungenschaften des muslimischen Goldenen Zeitalters und richtet sich explizit an ein breites und junges Publikum. Es werden auch internationale Wissenschaftsinstitutionen wie das Austrian Institute of Technology, die ETH Zürich oder Springer Nature mit Veranstaltungen vertreten sein. Das ganze Programm der Berlin Science Week mit rund 50 Veranstaltungen aus den verschiedensten Wissenschaftsbereichen wird Ende September veröffentlicht.


Ist es einfach, die verschiedenen Institutionen unter einen Hut zu bekommen?
Die einzelnen Forschungseinrichtungen und Universitäten richten ihre Veranstaltungen
eigenständig aus. Wir als Falling Walls Foundation treten als Kurator und Koordinator dieser Berliner Wissenschaftswoche auf, wir versuchen, für die beteiligten Partner Synergien  herzustellen. Wir unterstützen vor allem die internationalen Partner bei logistischen und organisatorischen Fragen und sind mit allen Einrichtungen sehr gut vernetzt. Wir haben das Gefühl, dass alle Partner an einem Strang ziehen und dass ein Interesse und Bedürfnis nach Vernetzung da ist und auch genutzt wird. Wir haben nach der ersten Berlin Science Week sehr viel positives Feedback erhalten und können dieses Jahr noch mehr Institutionen unter dem Dach der Berlin Science Week vereinen.


Was erhoffen Sie sich von der Berlin Science Week für die Zukunft?

Unser Vorbild ist das Weltwirtschaftsforum in Davos. Dessen Jahrestreffen finden seit 1971 in den Schweizer Bergen statt, und auf ihnen sprechen Politiker, international renommierte Wirtschaftsexperten, Intellektuelle und Journalisten über globale Zusammenhänge und die Frage, wie sich der Zustand der Welt verbessern lässt. Wir arbeiten jetzt daran, Berlin zu einem Davos der Wissenschaft zu machen. Wir wollen die Hauptstadt eine Woche lang in einen Ort verwandeln, an dem alle, die im weitesten Sinne mit Wissenschaft, Bildung und Forschung zu tun haben, aufeinandertreffen und sich auf eine Weise vernetzen, die sonst so nicht möglich wäre.


Zurück zur Übersicht