Insgesamt fünf Antragsskizzen hat sie im April ins Rennen geschickt. Eine davon stammt von der Spitzenforscherin und Physikerin Martina Havenith-Newen.

Martina Havenith-Newen liebt Spannung. Als Kind fieberte sie bei den Geschichten der Drei Fragezeichen mit, und als Jugendliche tüftelte sie über Kreuzworträtseln. Und was macht sie als Professorin für physikalische Chemie an der Ruhr-Universität Bochum? "Ich inszeniere meinen eigenen Forschungskrimi", sagt die 53-Jährige und lacht. Martina Havenith-Newen forscht in einem Grenzbereich zwischen Physik und Chemie und untersucht Prozesse, die entstehen, wenn Substanzen in einer Flüssigkeit aufgelöst werden. Da kann der Zucker sein, der in den Kaffee rieselt, oder ein Medikament, das sich in der Blutbahn zersetzt. Solvation heißt dieser Vorgang, und er ist einer der grundlegendsten der Chemie. Trotzdem ist bislang nur wenig über die molekularen Abläufe bekannt. Martina Havenith-Newen sammelt daher beständig Indizien. Sie stellt Hypothesen auf, überprüft Vermutungen im Labor oder verwirft sie.

Exzellente Forschung im Ruhrgebiet

Einen solchen Forschungskrimi löst die ehemalige Heisenbergstipendiatin der Deutschen Forschungsgemeinschaft in aller Regel nicht alleine. Sie arbeitet mit theoretischen und experimentellen Chemikern und Physikern unterschiedlicher Institute zusammen. "Dadurch bringen wir verschiedene Blickwinkel in die Expertise ein, und im Verbund gelingt es uns, extrem komplexe Fragestellungen zu lösen."

Universitäten rücken zusammen

2012 hat Martina Havenith-Newen den Zuschlag für den einzigen Exzellenzcluster des Ruhrgebietes erhalten. Er heißt RESOLV – Ruhr Explores Solvation – und ist ein Verbundprojekt der Ruhr- Universität Bochum, der Technischen Universität Dortmund und der Universität Duisburg-Essen. Seit 2017 hat Havenith-Newen außerdem an der Ruhrallianz, einem Zusammenschluss eben dieser Universitäten, eine standortübergreifende Professur inne. Regelmäßig pendelt sie für ihre Forschungen zwischen Bochum und Dortmund. "Beide Hochschulen liegen nur ungefähr 20 Minuten Fahrtzeit voneinander entfernt, und wir sind ein gut eingespieltes Team. Da war schnell klar, dass wir den Antrag auf Weiterförderung unseres Exzellenzclusters gemeinsam bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft stellen. Die Universität Essen ist ebenfalls eingebunden." Ob ein Antrag im Verbund um die Förderlinie Exzellenzstrategie erfolgreich ist, wird sich Ende September zeigen, dann hat das Expertengremium entschieden, welche Skizzen als weiter ausgearbeitete Anträge in die Endauswahl kommen.

Das Forschen im Verbund jedenfalls bringt schon heute Vorteile. Beispiel Wasser: Bislang gingen Wissenschaftler davon aus, dass sich Wasser bei chemischen Vorgängen verhält wie eine Zuschauermenge, die sich teilt, sobald ein Star, in diesem Fall ein Protein, die Bühne betritt. Aber Havenith-Newen hatte Zweifel, sie wollte die Aufgabe des H2O genauer untersuchen. "Als Laserspektroskopikerin arbeite ich mit Licht und erkenne durch Laser Fingerabdrücke von chemischen Prozessen oder Zusammensetzungen in der Struktur und Dynamik von Wasser. In unserem Verbund gab es Wissenschaftler, die Wärmemessungen anwenden, die Kalorimetrie. Als wir uns darüber austauschten, merkten wir, dass wir ganz neue Methoden entwickeln können, wenn wir die Laserspektroskopie und die Kalorimetrie zusammenbringen."

Neue Methoden durch Interdisziplinarität

Mit der neuen Methode, der Terahertz- Kalorimetrie, konnten die Wissenschaftler um Havenith-Newen schließlich die Eigenschaften der Wasserhülle analysieren die gelöste Alkoholmoleküle umgibt. Mit weiteren Messungen stellten sie fest, dass dem Wasser in biologischen Prozessen zumindest ein Oskar für die beste Nebenrolle gebührt. Nun gilt es, diese Phänomene weiter zu erforschen. Hierfür hat Martina Havenith-Newen 2,5 Millionen Euro aus dem Advanced Grant des Europäischen Forschungsrats (ERC) eingeworben – ein Riesenerfolg. Das Warten auf den Bescheid, ob das Exzellenzcluster RESOLV als Teil der Exzellenzstrategie um weitere sieben Jahre verlängert wird, ist eine Zeit der Spannung. Doch genau das mag die bei Euskirchen geborene Forscherin ja. Schließlich geht es um einen Traum. "Den Traum davon, welche Forschungskrimis wir in der Zukunft lösen können."


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