2,5 Milliarden Sekunden. So lange lebt ein 80-jähriger Mensch etwa. Jede Sekunde des Lebens altern wir. Während wir schlafen, während wir essen – auch während Sie diesen Text lesen. Am Ende werden Sie etwa 180 Sekunden älter sein als zu Beginn – und Ihr Körper nicht mehr derselbe. Neue Synapsen haben sich in Ihrem Gehirn gebildet, Teile Ihrer Haut haben sich erneuert und in Ihrem Blut sind 600 Millionen neue Blutkörperchen entstanden.

Wer das Altern verstehen will, muss die Zelle und die in ihr ablaufenden Prozesse verstehen. Der menschliche Körper besteht aus 1014, also 100 Billionen Zellen – die übrigens alle ein sehr unterschiedliches Alter erreichen können. Hautzellen auf unseren Lippen werden rund zwei Wochen alt, Leberzellen leben acht Monate, Zellen in den Knochen bis zu dreißig Jahre! Gemeinsam haben alle Zellen, dass sie die Erbinformation DNA in ihrem Zellkern tragen. Dieser ausgerollt zwei Meter lange Faden enthält wie ein Bauplan alle Informationen, die unser Körper zum Funktionieren braucht. Durch unseren normalen Stoffwechsel, aber auch Umwelteinflüsse wie UVStrahlung oder Gifte kann es zu Beschädigungen des DNAStrangs kommen. Zwar hat die Evolution zahlreiche Schutzund Reparaturmechanismen hervorgebracht – doch diese funktionieren nach dem fortpflanzungsfähigen Alter nicht mehr optimal. Akkumulierte Schäden der DNA sind ein wichtiger Grundstein für Alternserkrankungen.

Eine andere gewichtige Rolle im Alterungsprozess spielen die Mitochondrien, die Kraftwerke und Energielieferanten der Zellen. Weil sie vor Milliarden Jahren aus einverleibten Bakterien entstanden sind, haben sie ihre eigene Erbsubstanz. Bei der Energieproduktion entstehen besonders viele radikale Sauerstoffspezies, die die DNA schädigen. Wie bei einem Kraftwerk lässt der Wirkungsgrad mit steigendem Alter nach. Schädigungen der Mitochondrien sind eng verknüpft mit Krankheiten wie Parkinson und Alzheimer.

Am Exzellenzcluster CECAD für Alternsforschung in Köln untersuchen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die biologischen und medizinischen Grundlagen des Alterungsprozesses. Sie sind auf der Spurensuche nach den gemeinsamen Ursachen und Mechanismen für altersassoziierte Erkrankungen. "Bisher untersuchten Neurologen Demenzen, Kardiologen kümmern sich um Herzerkrankungen und Nephrologen haben die Nieren im Blick", so Jens Brüning, wissenschaftlicher Leiter des CECAD. "Der Ansatz am Exzellenzcluster CECAD ist es, zusammen nach den gemeinsamen Grundlagen von altersassoziierten Erkrankungen zu suchen."

Dazu arbeitet CECAD interdisziplinär und international eng vernetzt in sechs Forschungsbereichen mit exzellenten Forschergruppen: Mehr als 500 internationale Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der Universität zu Köln, der Uniklinik Köln, den beiden Max-Planck-Instituten für Stoffwechselforschung und für die Biologie des Alterns sowie dem Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) forschen hierzu gemeinsam. "Das Rheinland hat sich in den vergangenen Jahren durch CECAD, die beiden MPI und das DZNE zu einem weltweiten Mittelpunkt der Alternsforschung entwickelt. Diese Entwicklung möchten wir auch in den nächsten Jahren fortführen." Sie sind nach dem Lesen jetzt einige Sekunden älter – und die Alternsforschung wieder einen kleinen Schritt weiter.


KONTAKT

CECAD – Excellent in Aging Research
CECAD Research Center
Joseph-Stelzmann-Str. 26
50931 Köln

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