Die Exzellenzstrategie ist das Förderprogramm in der Nachfolge der 2006 gestarteten Exzellenzinitiative. Sie will die Spitzenforschung in Deutschland durch die beiden Förderlinien Exzellenzcluster und Exzellenzuniversitäten unterstützen. In den Exzellenzclustern forschen hochrangige Wissenschaftler gemeinsam an einem Thema. Als Exzellenz- oder Eliteuniversitäten gelten seit 2006 Universitäten, die Mittel aus der Förderlinie Zukunftskonzepte erhalten. Künftig muss eine Hochschule mindestens zwei Forschungsclusteranträge erfolgreich durchbringen, im Verbund sind es drei, um einen Antrag im Bereich Exzellenzuniversität stellen zu können.

Für die Cluster haben die Universitäten Anfang April zunächst Antragsskizzen bei der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) in Bonn eingereicht. Ende September wird veröffentlicht, für welche Cluster die Hochschulen Vollanträge zur Förderung schreiben dürfen. Der Zuschlag über die Förderung wird dann ein Jahr später im September 2018 erteilt. Von den insgesamt 195 Antragsskizzen bei der DFG stammen sechs von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Georg- August-Universität Göttingen. "Wir knüpfen an Forschungsschwerpunkte in den Natur- und Lebenswissenschaften, den Geistes- und Sozialwissenschaften sowie den Forst- und Agrarwissenschaften am Göttingen Campus an", sagt Präsidentin Beisiegel. Sie und ihre Mitarbeiter haben sich entschlossen, die Themen der Antragsskizzen weitgehend transparent zu machen. So geht es um Religionswissenschaften, Primatenkognition sowie Funktionelle Prinzipien lebender Materie und Physik in der Medizin.

Hinzu kommen ein Forschungsverbund der Agrarund Forstwissenschaften zum Thema nachhaltige Landnutzung sowie Forschung zum Thema Aufklärung, in der sich Theologen, Philosophen und Sozialwissenschaftler zusammengetan haben. Die Universität Göttingen musste zwar, genau wie die in Freiburg und Karlsruhe, 2012 ihren Status als Eliteuniversität abgeben, ist aber zuversichtlich, in der neuen Förderrunde zu überzeugen. "Damals war für uns wichtig, dass unser Konzept uneingeschränkt und auch international positiv beurteilt wurde", sagt Hochschulmanagerin Beisiegel. "Wir haben deshalb unseren Weg mit geschärftem Profil weiter fortgesetzt."

Auch die Universität Hamburg gibt einen Einblick in die Themen ihrer fünf Antragsskizzen. In dem "Cluster Climate, Climatic Change and Society" geht es um die Frage, wie es möglich ist, die Erderwärmung auf zwei Grad oder 1,5 Grad Celsius zu begrenzen. Die Forscher des Clusters "Quantum Univers" hingegen wollen neue Erkenntnisse über Masse und Gravitation gewinnen und beschäftigen sich mit der Physik des Urknalls. Das einzige geisteswissenschaftliche Projekt der Universität Hamburg stammt aus der Manuskriptforschung. Es befasst sich mit dem Verhältnis von Mensch und Schrift und untersucht das Phänomen des Schreibens aus einer globalen Perspektive von den Anfängen bis ins digitale Zeitalter. "Es ist faszinierend, wie sich Forschungsvorhaben von Ideen zu vielversprechenden Skizzen entwickelt haben", sagt Dieter Lenzen, der Präsident der Universität Hamburg. "Daher sind wir mit einem guten Gefühl in den Wettbewerb gegangen und gespannt auf das Urteil der Deutschen Forschungsgemeinschaft." Andere Universitäten geben sich zurückhaltender. "Schließlich befinden wir uns in einem Wettbewerb", stellt der Präsident der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, Georg Krausch, klar. Seine Universität nimmt mit sieben Antragsskizzen an der Förderlinie Exzellenzcluster teil, davon drei gemeinsam mit der Goethe- Universität Frankfurt und eine zusammen mit der Technischen Universität Kaiserslautern.

Exzellenzcluster und Eliteuniversitäten

Auch die Freie Universität Berlin übt sich in Zurückhaltung. Die Präsidentin der Humboldt-Universität, die Präsidenten der Technischen Universität und der Freien Universität sowie der Vorstandsvorsitzende der Charité haben sich darauf verständigt, grundsätzlich eine gemeinsame Antragsinitiative im Rahmen der Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder zu verfolgen. "Im laufenden Verfahren haben wir uns aber entschlossen, den gemeinsamen Antrag der Hochschulen nicht weiter zu kommentieren", erklärt FU-Präsident Peter-André Alt.

Wohl alle Universitäten setzen in der neuen Förderrunde auf die Kontinuität der vorhandenen Forschungsschwerpunkte. Der Johannes Gutenberg-Universität Mainz wurde in den ersten Förderrunden die Exzellenz Graduiertenschule Materials Science in Mainz (MAINZ) bewilligt sowie 2012 der Exzellenzcluster "Precision Physics, Fundamental Interactions and Structure of Matter (PRISMA)". Am Cluster beschäftigen sich die Forscher mit den Gebieten Astroteilchen-, Hochenergieund Hadronenphysik, Kernchemie sowie der Präzisionsphysik mit ultrakalten Neutronen und Ionenfallen. Außerdem bauen sie den Teilchenbeschleuniger MESA, der mit seinem Konzept der Energierückgewinnung weltweit eine Pionierrolle in der Beschleunigertechnologie einnehmen wird. "Von der Exzellenzstrategie versprechen wir uns, unsere Kompetenzen weiter auszubauen", fasst der Präsident und Physiker Krausch zusammen. "Wir wollen die internationale Konkurrenzfähigkeit und Attraktivität unserer Hochschule erhöhen sowie weiterhin exzellente Wissenschaftler anwerben."

Bewerbungen im Verbund sind möglich

Die Entscheidung über die Exzellenzcluster ist zugleich eine der wesentlichen Grundlagen für den Wettbewerb in der zweiten Förderlinie, den Exzellenzuniversitäten, die der Wissenschaftsrat durchführt: Universitäten mit einer genügenden Anzahl an Exzellenzclustern können im Dezember 2018 Anträge für Exzellenzuniversitäten abgeben. Über sie wird nach erfolgten Begutachtungen im Sommer 2019 entschieden.

In Deutschland gibt es mehr als 430 Hochschulen und davon 108 Universitäten. Elf sollen künftig zur Elite gehören. Von dem Förderprogramm profitiert folglich nur eine Handvoll Bildungseinrichtungen. "Die neue Förderlinie ermöglicht Bewerbungen im Verbund. Wenn drei große Berliner Universitäten zusammengehen, wird es für kleinere Hochschulen auf dem Land eine deutliche Herausforderung, sich zu behaupten", stellt Ulrike Beisiegel heraus. Die Biochemikerin begrüßt die Neuauflage des Wettbewerbs um die Spitzenforschung in Deutschland dennoch. "Die Differenziertheit des Hochschulsystems wird gefördert. Und diejenigen, die den Elite-Status erhalten, haben einen Wettbewerbsvorteil, der auch spürbar zu einem internationalen Renommee führt", sagt sie. Auch für Georg Krausch von der Universität Mainz überwiegen die Vorteile: "Es ist inzwischen Common Sense, dass der Wettbewerb eine Menge an den Hochschulen bewegt", sagt er. Was die Exzellenzstrategie weiterhin bringen wird, wird die Zukunft zeigen.


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