Mikroalgen liefern vielfältige Inhaltsstoffe – welche, das erforschen die Wissenschaftler des Management Centers Innsbruck (MCI).

Unterwegs in den Bergen wissen viele nicht, dass sie umgeben von Algen sind. "Das sind terrestrische Mikroalgen, die auf Steinen, Bäumen oder am Boden wachsen", erzählt Heidrun Füssl-Le. Mit ihren Kollegen erforscht sie diese auf wertvolle Inhaltsstoffe. Für ihre Forschung am MCI stehen ihr dabei mehr als 500 Algenspezies der seit den 1950er Jahren bestehenden Sammlung des Botanischen Instituts der Universität Innsbruck zur Verfügung.

Alpine Algen

Das Besondere dabei ist, dass man bisher wenig über die verschiedenen Spezies weiß. "Wir haben über 100 unbekannte Mikroalgen im Labor", sagt Füssl-Le. Jene Arten, die genauer untersucht werden, werden in flüssigen Nährmedien vermehrt. Anschließend beantworten die MCI-Forscher eine Reihe von Fragen: Was brauchen die Algen zum Gedeihen, welche Inhaltsstoffe produzieren sie, wie kommt man an diese Stoffe heran? Welcher Form von Stress sind die Algen am wahrscheinlichsten ausgesetzt? "Wissen wir das, versuchen wir, den jeweiligen biochemischen Überlebensmechanismus auszulösen", erklärt Bettina Rainer vom Department Bio- & Lebensmitteltechnologie. Das Spannende an ihrer Arbeit ist, dass sie bei der Extraktion von Algenmaterial jeden Tag Neues entdeckt. Um an die Algen-Inhaltsstoffe zu gelangen, trennen die Forscher zuerst die Flüssigkeit mit Ultraund Mikrofiltrationsmembranen von den Organismen, die die MCI-Kollegen des Departments Umwelt-, Verfahrens- & Energietechnik entwickeln. Einer der Stoffe, den Bettina Rainer so entdeckt hat, dient einer Algenart als Sonnenschutz.

UV-Blocker und Immuntherapie

"Die Spezies findet man auf über 3000 Metern Seehöhe", erzählt sie. "Dort ist sie starker UV-Strahlung ausgesetzt." Im Labor wird diese Strahlung nachgeahmt. Wie sich zeigt, produziert der Organismus eine Substanz, die ihn vor der schädlichen Strahlung schützt. Dieses Potenzial könnte auch für Menschen Anwendung finden. Biochemiker Christoph Griesbeck wiederum befasst sich mit der Herstellung von Proteinen aus Mikroalgen. Wenn Gensequenzen, die eine Protein Bauanleitung enthalten, in lebende Zellen eingeschleust werden, beginnen diese, die entsprechenden Proteine zu produzieren. Diese Proteine könnten in der Immuntherapie eingesetzt werden: Allergikern werden dabei regelmäßig Allergene in Form von Proteinen verabreicht, um sie langsam an die allergieauslösenden Substanzen zu gewöhnen. "Der Vorteil unseres Systems ist, dass die verwendete Alge nicht nur als ungefährlich und essbar eingestuft ist, sondern dass sie auch die Immunantwort verstärken könnte", erläutert Griesbeck.

Alleskönner Alge

Abgesehen von Kosmetik und Immuntherapie gibt es noch viele andere Bereiche, in denen die Forschungsergebnisse des MCI zum Einsatz kommen können. So produzieren terrestrische Algen beispielsweise Omega- 3-Fettsäuren. Bisher werden diese zumeist aus Fischöl gewonnen: "Die Fische tragen diese wertvolle Substanz jedoch nur in sich, wenn sie Algen fressen", sagt Füssl-Le. Mit der direkten Gewinnung spare man sich den Umweg und dürfe sich über pflanzliche Zusätze freuen.