Was hat die Exzellenzinitiative für den wissenschaftlichen Nachwuchs bislang erreicht?
Die Exzellenzinitiative hat unglaublich viel für die Wissenschaft getan. Diesen Weg wird die neue Exzellenzstrategie sicherlich fortsetzen – auch durch Programme wie die 1000 Tenure- Track-Professuren, die der Bund ab 2017 finanziert, und die für eine frühere wissenschaftliche Selbstständigkeit und bessere Planbarkeit der akademischen Karriere sorgen. Aber die wohl beste Errungenschaft der ersten Förderlinie waren die Graduiertenschulen, also die Einrichtungen im Hochschulbereich für die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchs.


Inwiefern? Bundesweit hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft ungefähr 45 Graduiertenschulen mit jährlich einer Million Euro finanziert.
Die Promovierenden und Postdocs übernehmen einen beachtlichen Anteil der Lehr- und Forschungsleistungen einer Hochschule, sie sind zentral für die Forschungsstärke der Universität. Andererseits sind diese Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler oftmals auf sich allein gestellt. Hier haben die Graduiertenschulen Abhilfe geleistet. Sie haben beiden Gruppen zur Sichtbarkeit verholfen und ihnen einen strukturellen Rahmen gegeben. Außerdem haben die Graduiertenschulen den Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern neben der finanziellen Unterstützung eine Plattform des Austauschs geboten.

Finanzierungsstopp der Graduiertenschulen


Im vergangenen Jahr haben Bund und Länder den Finanzierungsstopp für die Graduiertenschulen im Rahmen der Exzellenzstrategie beschlossen.
Ja – es gibt keine Graduiertenschulen mehr! An der Exzellenzstrategie kritisiere ich genau das: dass sie ausgerechnet das Modell, das die größten Änderungen im Hochschulsystem bewirkt hat, aussetzt. Die Annahme, die Ziele seien erreicht, finde ich sehr gefährlich.


Als Vorstand von UniWiND haben Sie einen Überblick über bundesweit mehr als 50 Hochschulen. Was wird der Finanzierungsstopp bedeuten?
Wir beobachten bei Uni- WiND, dass die Universitäten, die übergreifende Graduierteneinrichtungen aus Mitteln der Exzellenzinitiative aufgebaut haben, nun eher dazu neigen, Personal abzubauen. Dennoch wird es nicht so sein, dass die entstandenen Graduiertenakademien alle abgeschafft werden. Aber die Universitäten müssen die Mittel für deren Unterhalt bereitstellen – und das ist schwierig. Vor allem aber bedeutet der Finanzierungsstopp die Abschaffung eines offiziellen Rahmens, der für die Gruppen der Promovierenden und Postdocs eine institutionelle Verankerung bietet.

Kaum weibliche Vorbilder in der Wissenschaft


Ihre Hochschule hat in der Exzellenzinitiative eine Graduiertenschule eingeworben. Was machen Sie für den wissenschaftlichen Nachwuchs?
Hier wurde bereits 2006 ein Vizepräsidium für den wissenschaftlichen Nachwuchs eingerichtet und die Jenaer Graduierten-Akademie gegründet. Dadurch wurde das Thema sowohl institutionell verankert als auch ein Rahmen für vielfältige Unterstützungsleistungen geschaffen. Außerdem haben wir ein Haus für den wissenschaftlichen Nachwuchs gegründet, das von der Mercator-Stiftung gefördert wurde, um allen Promovierenden und Postdocs eine Anlaufstelle und einen Ort des Austauschs zu geben.


Sie selbst haben an der Universität Marburg Biologie studiert und dort anschließend promoviert. Stand für Sie immer fest, dass Sie in der Wissenschaft bleiben wollen?
Ich hatte das Glück, dass mir mein damaliger Chef vorgeschlagen
hat, mit einem eigenen Thema aus der Pilzgenetik in die USA und die Niederlande zu gehen. Bei meiner Rückkehr wartete eine C1-Stelle auf mich. Das war ein unglaublich gutes Angebot. Dennoch kenne ich durchaus die Situation der Unsicherheit, die mit einer wissenschaftlichen Karriere verbunden ist. Daran hat sich, insbesondere für Nachwuchswissenschaftlerinnen, die gleichzeitig eine Familie gründen möchten, kaum etwas geändert. Für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gibt es leider immer noch viel zu wenige weibliche Vorbilder in der Wissenschaft.

Plan B und gute Mentoring-Programme helfen


Was raten Sie heute jemandem, der eine Karriere in der Wissenschaft anstrebt?
Es ist schade, wenn Nachwuchswissenschaftlerinnen und –wissenschaftler die Idee des Verbleibs in den Wissenschaften aufgrund prekärer Verhältnisse von Anfang an ausschließen. Deshalb ermutige ich diejenigen, die Spaß an der Forschung haben, zu einer akademischen Karriere. Allerdings ist es gut, als Alternative einen Plan B im Hinterkopf zu haben. Und auch die Teilnahme an einem der Mentoring-Programme, insbesondere für weibliche Postdocs, lohnt sich.


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