Unser Haus. Unsere Kinder. Unsere Jobs: Familie Goesmann fühlte sich in Bielefeld zu Hause. Er arbeitete als wissenschaftlicher Abteilungsleiter in einem Zentrum für Biotechnologie, sie als Lehrerin in einer Grundschule. Doch als sich für Alexander Goesmann die Chance auf eine Professur für Systembiologie an der Justus-Liebig-Universität in Gießen eröffnete, überlegte das Paar, wie dieser Karrieresprung und das Familienleben zukünftig unter einen Hut passen könnten. "Für mich war klar, dass ich nicht täglich mehr als 200 Kilometer pendeln oder meine Töchter nur am Wochenende sehen möchte" sagt Alexander Goesmann. "Mir war wichtig, auch in Hessen nach der Elternzeit wieder als Lehrerin arbeiten zu können", ergänzt Anke Goesmann. Vor der Annahme der Berufung haben sich die Eheleute deshalb an den Dual Career Service der Universität Gießen gewandt. Der Dienst für die Karriere im Doppelpack hilft dem mitziehenden Partner bei der Suche nach einer geeigneten Stelle.

In Amerika gehört der Dual Career Service seit Jahren zum Standardprogramm der Universitäten. In Deutschland existieren solche Angebote erst seit Kurzem. 2010 haben sich bundesweit rund 20 Dual Career Services von Hochschulen zu einem Netzwerk zusammengeschlossen, dem Dual Career Netzwerk Deutschland (DCND). Katharina Klaas ist eine der beiden Sprecherinnen dieses Zusammenschlusses von mittlerweile 35 Hochschulen, darunter die Goethe-Universität Frankfurt am Main, die Universität Hamburg oder die TU Berlin. "Nicht zuletzt die Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder hat den universitären Wettbewerb um gute Forscher und Forscherinnen angeheizt", sagt Klaas. "Und, wer Spitzenkräfte anlocken will, muss inzwischen auch an deren Partner denken. Die Partner sind meistens hoch qualifiziert und wollen ihre eigene berufliche Laufbahn nicht aufgeben." Gleichzeitig soll der Dual Career Service verstärkt Frauen ermutigen, sich auf eine Professur zu bewerben. Denn auch wenn Frauen in den Hochschulen inzwischen auf dem Vormarsch sind – 2002 gab es laut Statistischem Bundesamt noch rund 4500 Professorinnen, 2012 immer- hin schon doppelt so viel – sind sie immer noch eher bereit, die eigene Karriere zugunsten der Familie zurückzustellen. Derzeit sind nur knapp 21 Prozent aller Professoren weiblich. "Wir wollen Wissenschaftlerinnen unterstützen, indem wir dem dazu gehörenden Partner bei der Jobsuche behilflich sind", so Klaas.

Jeden Tag 200 Kilometer von Bielefeld nach Gießen pendeln oder die Kinder nur am Wochenende sehen – das war keine Option.

Vor sieben Jahren hat die Betriebswissenschaftlerin die Karriereberatung an der Universität Freiburg aufgebaut. Dafür hat sie die Idee zunächst den Personalverantwortlichen verschiedener Hochschulen vorgestellt, Wirtschaftsverbänden der Region, Forschungsinstituten sowie ausgewählten Unternehmen. Aus ihren Kontakten ist ein Netzwerk entstanden, das Klaas heute den Akademikerpaaren für die Stellensuche zur Verfügung stellt.