Die Stenose der Aortenklappe ist eine Erkrankung älterer Patienten, die lange Zeit unbemerkt bleiben kann. Treten Symptome auf, war die Prognose bisher jedoch meist schlecht: Denn das Standardverfahren – Ersatz der defekten Klappe durch einen herzchirurgischen Eingriff – ist nicht für alle Patienten geeignet. Bei Begleiterkrankungen oder hohem Alter konnte man nur eine medikamentöse Therapie oder eine Sprengung der verengten Herzklappe anbieten, was die Beschwerden aber nur zeitweise lindert.
Als Alternative gibt es seit einigen Jahren ein kathetergestütztes Verfahren, um einen Aortenklappenersatz zu implantieren und die Verengung dauerhaft erfolgreich zu behandeln. Dabei wird eine auf ein Kathetersystem vormontierte Herzklappe über eine große Arterie oder einen minimalinvasiven chirurgischen Zugang in der verengten Herzklappe platziert und dort entfaltet. Die weltweit erste klinische Studie über Transkatheterherzklappen (TAVI) bei inoperablen Patienten im Vergleich zur bestmöglichen medikamentösen Behandlung zeigte eine deutliche Reduktion der Sterblichkeit durch die Kathetertechnik. Schon 2013 wurden in Deutschland erstmals mehr TAVI-Klappen eingesetzt als herzchirurgische Eingriffe an der Aortenklappe durchgeführt, wobei die Anzahl der chirurgischen Eingriffe konstant blieb. Offenbar werden jetzt auch jene Patienten versorgt, die vorher nicht operiert werden konnten. So zeigt die Altersstatistik, dass 2014 über zwei Drittel der TAVI-Patienten älter als 80 Jahre waren, etwa fünf Prozent sogar über 90 Jahre.
Mit zunehmender Erfahrung und ständigen Verbesserungen der Herzklappen und Kathetersysteme hat die TAVI heute Einzug in den klinischen Alltag gehalten. Herzklappen der neuesten Generation sind kürzer, haben in der Regel einen Überzug über dem Stentgerüst, um eine bessere Abdichtung gegenüber dem verkalkten Gewebe zu ermöglichen, und die Kathetersysteme sind schlanker geworden, sodass auch schmalere Gefäße einen Zugang erlauben. Grundsätzlich gibt es zwei verschiedene Systeme: Klappen, die über einen aufblasbaren Ballon entfaltet werden, und Klappen, die sich selbst entfalten. Ein Projekt der Deutschen Herzstiftung untersucht derzeit, ob und welcher dieser Klappentypen anderen Produkten überlegen ist.
Um zu verhindern, dass sich an der verkalkten Aorta thrombotisches Material löst und zu einem Schlaganfall führt, gibt es Protektionssysteme, die hirnversorgende große Arterien während des Eingriffs schützen. In erfahrenen Zentren wird der Eingriff heutzutage vermehrt unter einer Analgosedierung durchgeführt. Ein Narkoseverfahren, bei dem der Patient tief schläft und keinerlei Schmerzwahrnehmung hat, jedoch eine selbstständige Atmung möglich ist.
Sorgfältige Planung des Eingriffs hilft, mögliche Probleme
zu erkennen: Umfassende Echokardiographie, Kenntnis des Koronarstatus, der Nierenfunktion und der Kontrastmittelverträglichkeit sowie eine genaue Bildgebung durch Computertomographie zur Auswahl des Klappentyps und der Klappengröße sind essenzielle Voraussetzungen.
Wichtig ist vor allem das individuelle Behandlungsangebot für jeden einzelnen, in den meisten Fällen betagten Patienten. Dies geschieht durch das interdisziplinäre "Heart Team" aus Kardiologen, Herzchirurgen und Anästhesisten, welche die Operations- und Narkosefähigkeit einschätzen. Häufig werden neben dem Patienten auch die Angehörigen und die behandelnden Hausärzte einbezogen. Eine Rehabilitation sollte den Patienten frühzeitig angeboten werden, um so zügig wie möglich wieder nach Hause zurückkehren und von der Prozedur profitieren zu können. So schafft der kathetergestützte Klappenersatz für die herzkranken Patienten eine Perspektive für einen schönen Lebensabend.