Über religiöse, kulturelle und ideologisch Unterschiede hinweg, werden über 1500 Experten auf dem Gipfeltreffen Antworten auf eine der größten Herausforderungen unserer Zeit suchen: die gerechte medizinische Versorgung aller Menschen überall auf der Welt. Was im politischen Leben immer schwerer zu werden scheint, ist im Gesundheitswesen selbstverständlich – für dasselbe Ziel gemeinsam zu arbeiten. "Wissenschaftler kennen keine Grenzen, keine Sprachbarrieren, keine ideologischen Hemmnisse", sagt Professor Detlev Ganten, Ehrenvorsitzender des Stiftungsrates der Charité und Initiator des WHS.
Der World Health Summit ist unter seiner Leitung zu einem der bedeutendsten Foren für globale Gesundheitsfragen avanciert. Professor Ganten: "Wir laden Teilnehmer aus aller Welt ein. Demnächst wird auch der Iran Mitglied in der M8 Allianz. Das ist für alle selbstverständlich." Die "M8 Alliance of Academic Health Centers, Universities and National Academies" ist sozusagen die akademische Klammer des WHS, ein Zusammenschluss aus derzeit 23 international führenden medizinischen Universitäten und Forschungseinrichtungen aus 16 Ländern. Ganten: "Es gibt viele Organisationen, die sich weltweit um Gesundheit kümmern, aber sie haben alle sehr spezifische Themen. Es gibt kein anderes Forum, bei dem Gesundheit in all ihren Facetten als ganzheitliches Konzept diskutiert wird."
Die Schirmherrschaft über den WHS haben Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel, der französische Staatschef François Hollande und EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker übernommen.
Entsprechend hochkarätig ist die Gästeliste: Gesundheitsminister Hermann Gröhe ist ebenso vertreten wie seine französische Amtskollegin Marisol Touraine und sein Amtskollege Adalberto Campos Fernandes aus Portugal. Weitere prominente Teilnehmer
des Gipfeltreffens sind unter anderem: Tedros Adhanom Ghebreyesus, Außenminister von Äthiopien, Matshidiso Rebecca Moeti, Direktorin der WHO Afrika, Professor Lothar H. Wieler, Präsident des Berliner Robert-Koch-Instituts, sowie die Direktorin am Berliner Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie, Emmanuelle Charpentier. Für ihre Entdeckung des Crispr /Cas9-Systems in Bakterien, einem Mechanismus, mit dem sich Bakterien gegen eindringende Viren verteidigen, gilt die Molekularbiologin als heiße Anwärterin für einen der kommenden Nobelpreise.
So herausragend die personelle Ausstattung des Events, so repräsentativ ist auch der Veranstaltungsort: Tagen werden die globalen Entscheidungsträger in den Sälen, in denen der Außenminister sonst die Diplomaten aus aller Welt empfängt: im Auswärtigen Amt.

Versorgung darf Sparmaßnahmen nicht zum Opfer fallen

Ein Schwerpunktthema dort wird die Gesundheitsversorgung der Millionen Flüchtlinge sein. Laut Bericht des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR) sind derzeit rund 20 Millionen Menschen auf der Flucht aus ihrem Land, die Hälfte davon ist jünger als 18 Jahre. "Wir müssen die Gesundheit von Migranten in allen Ländern garantieren. Das ist unsere Verantwortung", erklärt Professor Detlev Ganten: "Es kann nicht sein, dass Millionen Menschen ihre Heimat  aus Angst vor Krieg und Terror verlassen müssen und anschließend in den Camps nicht ausreichend medizinisch versorgt werden!" Dafür bräuchten auch Länder wie Griechenland oder Italien, deren Gesundheitssysteme derzeit sehr strapaziert würden, unsere medizinische Unterstützung: "Das
darf nicht falschen Sparmaßnahmen zum Opfer fallen."
Viele Europäer haben Angst vor Krankheiten, die unter Umständen von den Migranten eingeschleppt würden, etwa schon "vergessene" Krankheiten wie Tuberkulose oder Kinderlähmung. Auch darüber werden sich die internationalen Experten auf dem Gipfeltreffen austauschen. Professor Ganten: "Ein Problem ist die resistente Tuberkulose, die wieder häufiger auftritt. Die Flüchtlinge leben oft auf engstem Raum zusammen, das leistet der Ausbreitung der Krankheit natürlich Vorschub." Eine Bedrohung für die Bevölkerung bestünde aber nicht. Auch sei Kinderlähmung wieder ein Thema, sagt der WHSPräsident und beklagt in diesem Zusammenhang die Impfmüdigkeit in Deutschland.