"Man muss unkonventionell denken und den Mut haben, etwas zu riskieren. Dann kann Großes dabei herauskommen." Klingt wie der oberste Lehrsatz erfolgreicher Start-ups, und Carsten Mahrenholz spricht ihn gelassen aus. Er ist einer von vier Gründern des Greifswalder Start-ups "Coldplasmatech".
Coldplasmatech will mit ionisiertem Plasma chronische Wunden heilen, "offene Beine" zum Beispiel oder Druckgeschwüre. Mahrenholz nennt Plasma den vierten Aggregatzustand: "Zahlreiche Tests haben gezeigt, dass kaltes Plasma Bakterien abtötet", sagt er. Sogar antibiotikaresistente Keime, wie das Nationale Referenzzentrum (NRZ) für gramnegative Krankenhauserreger der Ruhr Universität Bochum nachgewiesen hat. Coldplasmatech hat eine Wundauflage konstruiert, die gewöhnliche Luft energetisch anreichert. Gesteuert wird sie von einem kleinen Basisgerät. Das Plasmapflaster muss nur eine Minute auf der Wunde liegen – und schon soll der Heilungsprozess einsetzen.
Ein weiterer Finalist sind Studenten der TU München, die im Start-up "Glass Chair" eine App für Computerbrillen wie "Google Glass" entwickelt haben. Ihr Produkt kann einen Rollstuhl steuern. "Eine Software erfasst dabei die Kopfbewegung des Nutzers, schickt diese an einen Adapter und lenkt so den Rollstuhl", sagt Claudiu Leverenz, einer der Entwickler. Zurzeit gibt es einen Prototypen, die Gründer planen weitere Tests und prüfen bereits Vermarktungsansätze.
Seit mehr als 15 Jahren beschäftigt sich Gerd Graumann mit Spracherkennung. Der ITExperte hat jetzt mit zwei Co- Foundern "Evivecare" gegründet. Sie wollen ihre Software "Evivespeech" zur Marktreife entwickeln. Damit sollen von Sprachstörungen betroffene Schlaganfall- Patienten intensiv und effektiv trainieren können. Über die "EviveCloud" können Patienten mit Ärzten und behandelnden Logopäden kommunizieren.
Um Vernetzung im großen Stil geht es den Gründern von "One World Doctors". Sie wollen das Fachwissen spezialisierter Mediziner bündeln und in Ländern mit pharmazeutisch und technisch begrenzten Infrastrukturen zugänglich machen – wie etwa in Liberia, wo es laut WHO nur einen Arzt pro 100 000 Einwohner gibt. "Wir wollen ein Médecins Sans Frontières von zu Hause aus schaffen", sagt Dr. Janko Brand. "One World Doctors" baut eine Plattform, die den Austausch von medizinischer Expertise zwischen Ärzten vereinfacht. Dadurch könnten auch Allgemeinmediziner in entlegensten Dörfern auf das Wissen von akkreditierten Fachärzten aus der ganzen Welt zurückgreifen.
Um die Gesundheitsversorgung in Schwellen- und Entwicklungsländern geht es auch dem Gründer des Berliner Start-ups "midge medical", Jörn Bungartz. Er hat ein Blutentnahmegerät entwickelt, das der Patient völlig schmerzfrei sogar selbst bedienen kann. Hintergrund: In strukturschwachen Ländern fehlt es oft an ausgebildetem Personal, an Hygiene und an der Dokumentation von Patientendaten. "Unser Blutentnahmegerät hat einen integrierten Infektionstest, der nach einigen Minuten das Ergebnis anzeigt", erklärt Bungartz. Das System sammelt Daten in der Cloud und ordnet sie dem Patienten über eine Smartphone-App zu.