Aus Anlass des 25-jährigen Todestages der Stifterin am 5. Juni 2013 hat die Else Kröner-Fresenius-Stiftung erstmals den mit 4 Millionen Euro dotierten Else Kröner Fresenius Preis für Medizinische Forschung verliehen. Erster Preisträger ist der Immunologe Ruslan Medzhitov, David W. Wallace Professor für Immunbiologie in Yale. Mit dem Preisgeld geht er mit seinem jungen Team grundlegenden Fragen der Immuntoleranz und der Immunpathologie nach: Warum und auf welchem Weg werden manche Keime vom Immunsystem toleriert? In manchen Fällen – wie z.B. bei der Mikroflora des Darms – sind sie für ein gesundes Überleben sogar unentbehrlich. Was sind Auslöser und Wirkungen von Fieber? Wodurch werden die Lungenfunktion und das Leben eines Pneumonie-Patienten bedroht, durch den bakteriellen Erreger oder die gewebezerstörende entzündliche Abwehrreaktion des Körpers?

Eindämmung einer überschießenden körpereigenen Infektabwehr könnte Verlauf und Spätfolgen einer bakteriellen Meningitis bessern

Die bakterielle Hirnhautentzündung ist eine sehr gefährliche Erkrankung, die blitzschnelles ärztliches Handeln erfordert. Andernfalls drohen schwere neurologische Folgeschäden oder der Tod. Die Erkrankung ist in Deutschland mit ungefähr 0,5 Fällen pro Jahr auf 100.000 Einwohner zum Glück eher selten. In manchen Gegenden Afrikas treten jedoch immer wieder Meningitis-Epidemien auf, bei denen innerhalb von Monaten Tausende Menschen an einer Hirnhautentzündung erkranken und viele von ihnen versterben. Es ist bekannt, dass die Wahrscheinlichkeit von bleibenden Folgeschäden oder Tod umso größer ist, je heftiger die Entzündungsreaktion im Gewebe ausfällt. Die Münchner Arbeitsgruppe um Professor Ködel und Privatdozent Klein hat nun nachgewiesen, dass die Ausprägung dieser Entzündungsreaktion entscheidend von einem bestimmten Faktor des Komplementsystems abhängt. Das Komplementsystem ist ein System aus Blut-Eiweißstoffen, die in den Körper eingedrungene Erreger erkennen und zu deren Elimination dienen, also eigentlich zu den körpereigenen "Waffen" der Infektabwehr gehören. Ein auf den ersten Blick paradoxes Ergebnis der Untersuchungen war: Je höher der Spiegel des Komplementfragments 5 in der Zerebrospinalflüssigkeit von Meningitis-Patienten ist, desto schlechter sind die Aussichten auf Heilung. Der Grund hierfür ist, dass das Komplementsystem als Motor der lokalen Gewebsentzündung fungiert, die so schädlich und folgenreich ist. Ein neuer, im Experiment schon erfolgreicher Therapieansatz der Arbeitsgruppe besteht deshalb darin, das Komplementfragment 5 mit einem Antikörper zu blockieren, die körpereigene Abwehrreaktion also zu dämpfen, um Folgeschäden einer überschießenden Reaktion zu verhindern. Vielleicht lässt sich aus diesem Ansatz eine neue, die Antibiotikabehandlung der Meningitis begleitende Therapie entwickeln. Parallel zur Forschung engagiert sich die Arbeitsgruppe aber auch in einem EKFS-geförderten humanitären Hilfsprojekt zur Verbesserung der klinischen Versorgung von Meningitis-Patienten in Äthiopien.

Resistente Tuberkuloseerreger durch neue Therapieansätze bekämpfen

Die Tuberkulose – in Europa schon fast besiegt geglaubt – spielt auf anderen Kontinenten eine große und auch in Europa eine wieder zunehmende Rolle. Zusätzlich verkompliziert die zunehmende Therapieresistenz der Krankheitserreger gegenüber den gängigen Medikamenten die Behandlung. Neue Medikamente, die möglichst andere Abschnitte des Krankheitsgeschehens angreifen als bisher verfügbare, werden dringend gebraucht. Die Nachwuchswissenschaftlerin Anca Dorhoi widmet sich deshalb am Max-Planck-Institut für Infektionsbiologie in Berlin der Erforschung bisher wenig beachteter Aspekte des Krankheitsgeschehens: Sie hat entdeckt, dass die Blutplättchen den Entzündungsablauf in der Lunge beeinflussen. Jetzt wird sie mit Fördermitteln der EKFS das Zusammenspiel der Blutplättchen mit den "klassischen Entzündungszellen" an experimentellen Modellen der Tuberkuloseerkrankung analysieren. Die Hoffnung ist, dass sich daraus ganz neue Ansatzpunkte für ein therapeutisches Eingreifen ergeben – möglicherweise sogar solche, für die in anderen Krankheitszusammenhängen schon klinisch zugelassene Wirkstoffe verfügbar sind. Für Frau Dr. Dorhoi persönlich ist dies das erste als Projektleiterin selbst verantwortete Förderprojekt, mit dem sie eine wichtige Hürde auf dem Weg zu einer eigenständigen Karriere nimmt. Ihr Antrag hat sich im Wettbewerb in einer eigens den jungen "Erstantragstellern" gewidmeten Förderlinie der EKFS durchgesetzt. Die Bekämpfung der Tuberkulose ist einer der Arbeitsschwerpunkte des Max-Planck-Instituts: Zweigleisig wird dort parallel an einer Impfung zur Verhinderung der Ausbreitung der Tuberkulose sowie an neuen Behandlungswegen geforscht. Im Juli 2015 konnte die erste Wirksamkeitsstudie für einen Impfstoff gegen Tuberkulose gestartet werden.

Erforschung eines universellen Gegengifts bei Tierbissen

Die Vergiftung durch Schlangenbisse zählt nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zu den meist vernachlässigten Tropenkrankheiten, von denen jährlich rund fünf Millionen Menschen betroffen sind. Prof. Dr. Martin Metz, Oberarzt der Klinik für Dermatologie an der Charité Berlin, beschäftigt sich mit der Entwicklung eines neuartigen therapeutischen Konzepts zur universellen Therapie von Bissen giftiger Schlangen sowie von Bissen und Stichen anderer giftiger Tiere. Als einer der drei besten Bewerber konnte sich Martin Metz 2012 in einer wettbewerblichen Ausschreibung der "Else Kröner Exzellenzstipendien" durchsetzen. Diese Stipendien wurden eingerichtet, um klinisch erfahrenen und wissenschaftlich herausragend qualifizierten Oberärzten die Möglichkeit zu geben, sich für zwei Jahre ganz ihrer Forschung zu widmen. Bislang besteht die Behandlung schwerer Vergiftungen durch Schlangenbisse aus der Gabe hoher Mengen eines speziesspezifischen Antikörperserums (Antivenom). Antivenome sind jedoch sehr temperaturempfindlich, sodass die Unterbrechung der Kühlkette ihre Wirkung zerstört. Aufgrund des Risikos akut lebensbedrohlicher allergischer Reaktionen sollte eine Behandlung mit den heute verfügbaren Antivenomen in einer medizinischen Einrichtung erfolgen. Dies bedeutet aber, dass ein Großteil der Patienten mit giftigen Bissverletzungen insbesondere in Entwicklungsländern gar keine Chance auf eine lebensrettende Behandlung hat. "Die Herstellung eines universellen Antivenoms ist von enormer weltweiter Relevanz", so die EKFS zur Begründung des Exzellenzstipendiums. Verschiedenste Tiergifte lösen eine massive akute Entzündungsreaktion aus, die – einmal ausgelöst – in ihrem Ablauf einer gemeinsamen Signalkaskade folgt. Die Idee des Projektansatzes besteht darin, die durch verschiedenste Tiergifte ausgelöste gemeinsame Endstrecke der Entzündungsreaktion zu blockieren. Ansatzpunkt ist dabei die Mastzelle, die im Mittelpunkt umfangreicher Vorarbeiten des Stipendiaten stand. Erste Ergebnisse zeigen, dass sich mithilfe des aus der Mastzelle freigesetzten Enzyms Protease die toxische Wirkung von Giften abschwächen lässt. Eine hochrangige wissenschaftliche Publikation ist in Kürze zu erwarten.

Chronische Leberzirrhose in Ägypten: Bilharziose als Wegbereiter einer besonders schwer verlaufenden Hepatitis-C-Infektion

Die Bilharziose ist eine in Ägypten, aber auch in Asien, Südamerika und anderen Teilen Afrikas verbreitete Wurmerkrankung (Erreger: Schistosoma spp.). Warme Oberflächengewässer, die ungereinigt verwendet werden, bieten den Nährboden für die Erkrankung. Es ist nun seit einiger Zeit bekannt, dass eine vorbestehende Bilharziose zu einem wesentlich schwereren Verlauf einer in diesen Ländern ebenfalls häufigen Hepatitis-C-Infektion führt und zumindest in Ägypten diese Kombination der wichtigste Auslöser chronischer Lebererkrankungen ist. Aufbauend auf bereits langjährig bestehenden wissenschaftlichen Kooperationen mit der Universität Kairo in Ägypten, hat das Team von Frau Dr. Prazeres da Costa die Rolle spezifischer regulatorischer, das heißt entzündungshemmender T-Zellen im Rahmen dieser kombinierten Lebererkrankung untersucht. Dabei wurden sowohl Patienten mit einer Hepatitis-C-Monoinfektion als auch solche mit einer Hepatitis-C-Schistosomen-Koinfektion untersucht. Nicht zuletzt im Verlauf der politischen Unruhen in Ägypten bedurfte es großer Geduld und Beharrlichkeit, um die Studie erfolgreich zu Ende zu führen. Im Ergebnis konnten einerseits epidemiologische Beobachtungen eines Zusammenwirkens beider Infektionen mit dem Ergebnis eines schwereren Verlaufs der Lebererkrankung bestätigt werden. Neu und klinisch wie wissenschaftlich bedeutsam ist die Erkenntnis, dass regulatorische T-Zellen nur während der Koinfektion ihren Phänotyp verändern und damit eine zentrale Rolle spielen können.

Ausbildung von Clinician Scientists in der Infektionsforschung

Seit 2010 schreibt die EKFS regelmäßig "Forschungskollegien für Ärzte" aus, die jungen forschenden Ärzten die Möglichkeit geben, sich parallel zur klinischen Ausbildung ein eigenes Forschungsgebiet aufzubauen. Eines der insgesamt neun Forschungskollegien widmet sich der Infektionsforschung. In dem an der TU München angesiedelten Forschungskolleg unter der Leitung von Professor Ulrike Protzer beschäftigen sich 12 Clinician Scientists mit der Identifizierung mikrobieller Trigger in der Krankheitsentstehung sowie der Erkennung von Signalwegen bzw. Immunmechanismen, die an der Pathogenese von Organdysfunktionen und der Karzinogenese beteiligt sind. Dabei werden drei Fragen erforscht: (i) die Bedeutung mikrobieller Trigger bei der Entstehung von Organdysfunktionen, (ii) die Entstehung und Progression von Tumoren auf dem Boden chronischer Infektionen, (iii) der Beitrag des Mikrobiom, das durch Ernährung und Umwelt beeinflusst wird, zur Entstehung von Krankheiten.

Steckbrief

Stifterin und Unternehmerin: Else Kröner war eine der erfolgreichsten Unternehmerinnen Deutschlands. Aus der Frankfurter Hirsch-Apotheke und einem kleinen pharmazeutischen Betrieb baute sie den weltweit tätigen Gesundheitskonzern Fresenius auf. Als Else Kröner am 5. Juni 1988 starb, ging ihr Vermögen auf die von ihr 1983 gegründete gemeinnützige Stiftung über.

Zielsetzung: Die Else Kröner-Fresenius-Stiftung dient der Förderung medizinischer Wissenschaft und unterstützt medizinisch-humanitäre Hilfsprojekte. Ihre Einkünfte bezieht die Stiftung fast ausschließlich aus Dividenden des Gesundheitskonzerns Fresenius, dessen größte Aktionärin sie ist. Die Stiftung fördert satzungsgemäß nur solche Forschungsaufgaben, deren Ergebnisse der Allgemeinheit zugänglich sind.

Else Kröner Fresenius Preis: Aus Anlass des 25-jährigen Todestages der Stifterin am 5. Juni 2013 hat die Else Kröner-Fresenius-Stiftung erstmals den mit 4 Millionen Euro dotierten Else Kröner Fresenius Preis für Medizinische Forschung verliehen. Der Preis wurde auf dem Gebiet der Immunologie ausgeschrieben und an Ruslan Medzhitov, David W. Wallace Professor für Immunbiologie, verliehen. Der in Yale lehrende Wissenschaftler hat mit seinen Forschungen wesentliche Beiträge zum Verständnis des Zusammenwirkens des für die unmittelbare Abwehr von Krankheitserregern zuständigen angeborenen Immunsystems und des langsamer, aber spezifischer reagierenden erworbenen Immunsystems geleistet.

Kontakt

Else Kröner-Fresenius-Stiftung

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