Wir alle suchen unser Leben lang nach einem Zuhause. Einem Ort, einem Menschen oder einer Vorstellung von etwas, das uns das Gefühl gibt, angekommen zu sein. Diese Suche drückt sich in Form von Sehnsucht aus - ein Wort, das von großen Gefühlen spricht.

Sehnsucht ist der Superlativ eines Wunsches - des Wunsches nach Nähe. Ob dabei die Ferne herbeigesehnt wird, wie beim Fernweh oder die Nähe eines anderen Menschen, ist beinahe unwichtig. Entscheidend ist das Gefühl, das wir mit dieser Nähe verbinden: Geborgenheit. So, wie man es eben nur von einem Zuhause kennt.

Warum Geborgenheit so wichtig ist

Immer wieder hört man von Menschen, deren Leben aus dem Takt geraten ist, weil sie eine "schwere Kindheit" oder ein "zerrüttetes Elternhaus" hatten. In den meisten Fällen bedeutet dies die Abwesenheit von Geborgenheit. Ein Gefühl, das für Kinder existenziell ist, damit sie sich gesund und ihren Veranlagungen nach entwickeln können. Wem Mutterliebe fehlte oder wer kein Urvertrauen kennengelernt hat, der wird oft ein Leben lang von einer rastlosen Suche danach getrieben. Die Konsequenzen sind so individuell, wie es die Menschen sind, für die Betroffenen ist diese zwanghafte Suche jedoch in den meisten Fällen eine schwere Belastung.
Aber auch, wer das Glück hatte, in einem gesunden Umfeld aufzuwachsen, wird sich sein Leben lang danach sehnen, dieses Gefühl wiederzuerlangen. Zu vollkommen erscheint es, weil es das wohl einzige Gefühl ist, in dem wir uns selbst finden. Nur, wer sich geborgen fühlt, wird in der Lage sein, seine Träume zu verwirklichen, die Herausforderungen des Alltags zu meistern und immer wieder an den Punkt zu kommen, sich 'glücklich' nennen zu können - weil er sicher in sich selbst ist.

Was Geborgenheit noch ausmacht

Geborgenheit ist aber noch sehr vielfältiger. Es ist das Vertrauen, das wir ins Leben haben. Geborgenheit ist ein geschützter Raum, ist Vertrautheit, Altbekanntes. So, wie eine Tasse dampfender Kaffee mit einem Stück Kuchen unter Freunden oder ein gemeinsamer Sonntag mit Frühstück im Bett. Geborgenheit wird auch durch Rituale vermittelt - und sie ist untrennbar verknüpft mit der Kultur, in der wir sozialisiert worden sind. 'Heimat' oder 'innere Ruhe' sind ebenfalls Begriffe, die vermitteln, was dieses Gefühl in uns bewirkt.

Doch auch finanzielle Sicherheit, ein stabiles soziales Umfeld oder ein Arbeitsplatz, der von Menschlichkeit geprägt ist und an dem wir uns wohlfühlen, kann dazu
führen, dass wir uns geborgen fühlen.

Geborgenheit in der Partnerschaft

Besonders in einer Partnerschaft suchen wir dieses Gefühl. Das liegt unter anderem daran, dass ein Partner zugleich immer auch ein Spiegel ist. Er ist die Hand, die uns durchs Leben begleitet und wenn wir Geborgenheit bei ihm finden, können wir auch loslassen. Sich bei einem anderen Menschen geborgen zu fühlen, bedeutet, sich fallen lassen zu können und das Vertrauen zu haben, das man für einen Moment gehalten wird - auch wenn man stürzt. Es bedeutet, ein Stück von sich selbst zurücktreten zu können und zu reflektieren, aber auch, zu sich zurückzufinden - durch Berührung und Zärtlichkeiten. Und dies ist der schönste und einfachste Weg zur Heilung - weil er gleichzeitig etwas Neues schafft: eine Gemeinsamkeit, ein 'Wir'.

Von Lea-Patricia Kurz